Unsere Reise begann am 19. Dezember mit dem Zug nach Frankfurt und dem Flug nach Doha. Kurz nach Mitternacht kamen wir in Katar an. Statt direkt weiterzufliegen, hatten wir bewusst mehrere Tage eingeplant. Wenn man ohnehin am anderen Ende der Welt umsteigt, kann man schließlich auch nachsehen, wie es dort aussieht.
Für die Fahrten zwischen Flughafen und Hotel nutzten wir Ibticar. Das Unternehmen bietet rollstuhlgerecht umgebaute Taxis an, in denen ich in meinem Elektrorollstuhl sitzen bleiben konnte. Das ersparte uns komplizierte Transfers und war später auch für unseren Ausflug in den Norden entscheidend.
Unser Ausgangspunkt war das Mövenpick Hotel nahe der Corniche. Am ersten Tag erkundeten wir den Mina District am alten Hafen. Zwischen pastellfarbenen Häusern, Promenade und kleinen Geschäften wirkte dieser Teil Dohas fast wie eine sorgfältig gebaute Filmkulisse.
Den Abend verbrachten wir im Fischrestaurant Chabrat Al Mina – ein angenehmer Einstieg nach der langen Anreise.
Schnell zeigte sich, dass Doha erstaunlich viel Kultur zu bieten hat. Im National Museum of Qatar verbrachten wir fast den gesamten Nachmittag. Schon das Gebäude ist spektakulär: große, ineinandergreifende Scheiben erinnern an eine Wüstenrose.
Die Ausstellung erzählt die Entwicklung Katars von der Landschaft und dem Leben der Beduinen bis zum heutigen, durch Erdgas geprägten Staat. Der Innenbereich war für mich mit dem Elektrorollstuhl gut zugänglich. Lediglich auf einigen Außenflächen muss man mit unebenem Untergrund rechnen.
Danach ging es ins M7 im Stadtteil Msheireb. Das Haus widmet sich Design, Mode und zeitgenössischer Kultur. Besonders mochte ich die kleine Straßenbahn, die durch Msheireb fährt. Sie war mit meinem Rollstuhl gut nutzbar und eignet sich wunderbar für eine kostengünstige kleine Stadtrundfahrt.
So bekommt man einen Eindruck von der Architektur, ohne jeden Weg selbst zurücklegen zu müssen.
Besonders beeindruckt hat mich das Museum of Islamic Art, kurz MIA. Das Gebäude liegt direkt am Wasser und wirkt mit seinen klaren geometrischen Formen gleichzeitig monumental und ruhig. Auch die Sammlung ist außergewöhnlich: sie verbindet Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten und Regionen der islamisch geprägten Welt.
Für mich war das Museum gut zugänglich. Außerdem sollte man Zeit für den wunderschönen Park neben dem MIA einplanen – schon wegen des Blicks über die Bucht und auf die Skyline von Doha.
Später besuchten wir noch das Mathaf – Arab Museum of Modern Art – und die Qatar National Library. Die Bibliothek hat mich besonders beeindruckt. Ihr riesiger, lichtdurchfluteter Innenraum wirkt fast wie eine offene Landschaft aus Büchern.
Statt vieler abgeschlossener Etagen eröffnet sich ein gemeinsamer Raum, den man auf einen Blick erfassen und über Rampen und Aufzüge erschließen kann. Das Gebäude ist nicht nur funktional barrierefrei, sondern vermittelt auch das Gefühl, dass Wissen tatsächlich für alle zugänglich sein soll.
Am Abend wurde es lebendiger. Im Souq Waqif (traditionelles Marktviertel in Doha) wechselten sich enge Gassen, Gewürzläden, Restaurants und offene Plätze ab. Grundsätzlich konnte ich dort gut rollen, allerdings wird es abends sehr voll. Etwas mehr Zeit und Geduld sollte man deshalb mitbringen.
Der eindrucksvollste Ausflug führte uns in den Norden Katars. Dafür buchten wir erneut ein rollstuhlgerecht umgebautes Taxi von Ibticar. Ohne ein passendes Fahrzeug wären die weit auseinanderliegenden Ziele kaum sinnvoll zu erreichen gewesen.
Erste Station war Al Jassasiya. In der flachen, steinigen Landschaft befinden sich Hunderte alte Felszeichnungen: Vertiefungen, geometrische Formen und Darstellungen von Booten.
Es gibt dort keine aufwendig gestaltete touristische Kulisse. Man bewegt sich direkt durch das offene Gelände und muss genau hinsehen, um die Spuren im Gestein zu erkennen.
Hier konnte mein geländegängiger Elektrorollstuhl zeigen, was er kann. Der Untergrund war natürlich nicht so bequem wie ein Museumsboden, aber für mich gut machbar. Das ist ein wichtiger Unterschied: ein Ort muss nicht vollständig geglättet sein, damit ich ihn erleben kann.
Danach fuhren wir zu Purple Island. Zwischen Wüste und Küste wachsen dort tatsächlich Mangroven – ein unerwartet grüner Fleck in der ansonsten kargen Landschaft. Es gibt einen barrierefreien Weg, von dem aus man die Mangroven gut erleben kann.
Wir wollten allerdings noch weiter und rollten mit meinem Geländerollstuhl querfeldein. Das war kein notwendiger Teil des Besuchs, aber für uns der spannendste.
Anschließend machten wir Halt an der Corniche von Al Khor (Uferpromenade in Katar). So wurde aus wenigen Stunden eine kleine Reise durch sehr unterschiedliche Seiten Katars: archäologische Spuren, Mangroven und eine ruhige Küstenstadt.
Innerhalb Dohas war die Metro ein hilfreiches Rückgrat. Die Stationen verfügen über Aufzüge und die Züge ließen sich mit meinem Elektrorollstuhl gut nutzen. Nach unserem Ausflug in den Norden fuhren wir beispielsweise von der Station Legtaifiya zurück ins Zentrum.
Trotzdem entscheidet nicht allein die Station darüber, ob eine Route funktioniert. Ebenso wichtig ist die letzte Strecke bis zum Ziel: gibt es einen nutzbaren Weg vom Ausgang bis zum Gebäude? Wie ist der Untergrund? Muss eine breite Straße überquert werden? Und bringt mich der Aufzug wirklich dorthin, wo ich hinmöchte?
Solche Fragen prüfe ich möglichst vorher. Dabei kann auch künstliche Intelligenz helfen, Orte zu vergleichen, Wege zu untersuchen und Alternativen zu finden. Sie ersetzt aber nicht die eigene Einschätzung.
Angaben wie „wheelchair accessible“ sagen oft wenig darüber aus, welcher Rollstuhl gemeint ist und wie die konkrete Situation vor Ort aussieht.
Nach unserem Ausflug in den Norden fuhren wir zum Marsa Malaz Kempinski auf The Pearl. Dort aßen wir zu Abend, spazierten anschließend durch den Secret Garden und hörten zum Abschluss ein Konzert im The Stage.
Vielleicht war gerade dieser Abend ein besonders gutes Reiseerlebnis, weil Barrierefreiheit nicht ständig das Thema sein musste. Wir konnten essen gehen, draußen unterwegs sein und danach noch Musik hören.
Katar hat mich überrascht. Die großen Museen, die Tram und die Metro machten vieles unkompliziert. Für die Flughafenfahrten und die Ausflüge außerhalb Dohas war Ibticar mit seinen umgebauten Fahrzeugen die passende Ergänzung.
In der Natur wiederum half mir mein geländegängiger Rollstuhl, über den offiziell barrierefreien Weg hinauszugehen.
Katar-Reise mit Elektrorollstuhl: Eindrücke aus Doha, Museen und Küste
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