Redaktionsteam - Jasmin
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JAHRGANG 1982 •
SMA TYP II

Assistenz kündigen: Was tun, wenn es nicht mehr passt? – Warnzeichen erkennen, Grenzen setzen und dich schützen

Jasmin berichtet, warum eine Assistenz zu kündigen kein Scheitern ist – sondern ein Schritt hin zu Sicherheit, Klarheit und Selbstrespekt.

 
Eine Person hält einen braunen Koffer in der Hand und steht im Freien vor blauem Himmel.
Eine Person hält einen braunen Koffer in der Hand und steht im Freien vor blauem Himmel.

Kennst du dieses alte Gefühl aus der Schule? Morgens aufwachen mit Bauchweh, weil du weißt:

„Ich muss da gleich hin … und ich will einfach nicht.“ Dieses Gefühl gibt es auch im Assistenzalltag. Dann, wenn du weißt, dass gleich jemand zur Tür hereinkommt und in dir alles Nein schreit. „Nicht heute. Nicht mit dieser Person.“ Das ist kein Drama. Das ist dein Nervensystem, das Alarm schlägt. Und genau da beginnt die eigentliche Frage: Wie schütze ich mich und wie kann ich trotzdem klar bleiben?

Reden hilft – klare Worte können schützen

Assistenz ist Arbeit, ja. Aber sie ist auch Beziehung. Und jede Beziehung funktioniert besser, wenn Erwartungen klar sind. Deine Assistenz weiß nicht automatisch, wie es dir geht. Du darfst sagen, dass du einen schlechten Tag hast. Dass du langsamer bist. Dass dir gerade alles zu viel ist. Oder dass du reizoffen bist und leiseres Sprechen oder bewusstere Berührungen brauchst.

Das ist keine Schwäche. Das ist Selbstschutz. Je klarer du bist, desto sicherer wird dein Raum. Niemand kann Gedanken lesen.

Wie du kommunizieren kannst, ohne dich selbst zu verlieren

Auch in schwierigen Momenten gibt es Wege, ruhig zu bleiben. Manchmal reicht ein kurzer Satz. Ohne Rechtfertigung, ohne Erklärungsschleifen.

„Ich brauche heute Ruhe.“

„Bitte bleib bei den gewohnten Abläufen.“

„Diese Art zu sprechen ist für mich nicht okay.“

Und wenn es zu viel wird, darfst du ein Gespräch auch abbrechen und die Person vertreten oder freistellen lassen. Nicht alles muss sofort geklärt werden. Du musst nicht stark sein um jeden Preis.

Du darfst kündigen

Viele halten zu lange durch, weil sie glauben, sie müssten tapfer durchhalten. Aber du darfst kündigen, wenn sich etwas nicht mehr richtig anfühlt. Wenn dein Bauch Nein sagt. Wenn Grenzen überschritten werden. Kündigen ist kein Scheitern. Es ist Selbstachtung.

Schlechte Chemie und Grenzüberschreitungen

Nicht jede Kündigung hat einen dramatischen Auslöser. Nicht jede Grenzüberschreitung ist laut. Manches beginnt leise. Ein Tonfall. Eine Berührung. Ein Kommentar, der zu weit geht. Manchmal verschiebt sich auch das Machtverhältnis. Wenn Entscheidungen plötzlich ohne dich getroffen werden. Wenn Routinen verändert werden, obwohl ihr etwas anderes vereinbart habt. Wenn Unterstützung in Belehrung umschlägt. Und wenn du irgendwann denkst: „Ich habe hier eigentlich nichts mehr zu sagen“, dann ist das ein Warnsignal.

Assistenz soll entlasten, nicht dominieren, bestimmen oder klein machen. Kippt die Sicherheit, ist das Grund genug, zu gehen.

Verschiedene Wege der Kündigung

Es gibt verschiedene Wege zu kündigen. Die klassische Kündigung mit Frist. Die schnelle Kündigung in der Probezeit. In schweren Fällen auch fristlos – wichtig ist dann, dass Grenzen vorher klar benannt wurden, am besten schriftlich. Manchmal ist auch ein Aufhebungsvertrag der ruhigste Weg. Das ist keine Bürokratie-Spielerei. Das ist Absicherung.

Du musst es nicht persönlich tun

Eine Kündigung muss nicht sofort persönlich ausgesprochen werden. Gerade am Anfang darfst du auch anders kommunizieren – telefonisch, per Mail oder wenn dir die Kraft fehlt, zunächst auch per WhatsApp. Das ist nicht schön, aber manchmal nötig. Wichtig ist nur: Am Ende sollte die Kündigung schriftlich festgehalten werden.

Wenn du dich unwohl fühlst, kannst du jemanden auch freistellen. Keine weiteren Einsätze, Gehalt läuft weiter, aber dein Raum bleibt geschützt. Das ist kein Drama. Das ist Verantwortung für dich selbst.

Wie du dir den Abschied leichter machst

Erlaube dir, Gefühle zu haben. Schreib dir vorher auf, warum du kündigst und hol dir Rückhalt bei Menschen, die dir guttun. Sag nur so viel, wie nötig ist, und vertraue deinem Bauchgefühl.

Ein persönlicher Gedanke – warum Grenzen lebenswichtig sind

Ich weiß, wie schnell Assistenz unsicher werden kann. Nicht aus Theorie, sondern aus Erfahrung. Eine frühere Assistentin sagte in einer Überforderungssituation etwas, das meinen sicheren Raum schlagartig erschütterte. Ich konnte nicht weg – es war mein Zuhause. Also blieb ich ruhig, obwohl innerlich alles auf Rückzug drängte. Ich sprach, um die Situation zu stabilisieren. Um Zeit zu gewinnen. Um mich zu schützen. Solche Momente verändern etwas Grundlegendes für die Person, die auf Unterstützung angewiesen ist. Und genau deshalb sind Grenzen keine Kleinigkeit. Sie sind lebenswichtig.

Zum Schluss

Kündigen ist kein Scheitern. Es ist eine Rückkehr zu dir. Dein Körper, dein Zuhause, deine Sicherheit zählen. Und du darfst Menschen gehen lassen, wenn sie dir nicht guttun. Das ist kein Egoismus, das ist Selbstrespekt.

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