Redaktionsteam - Gast
Redaktionsteam - Gast
AUTOR*IN •
SMAlltalk SMA

Kunst macht Räume auf – Teil 3 – Mit SMA im Atelier, Museum und auf der Bühne

Teil III/III: Meine Quellen der Inspiration und was ich mir vom Kunstbetrieb wünsche

Es gibt einige Menschen, die mich auf meinem Weg ganz unterschiedlich inspiriert haben und die ich an dieser Stelle erwähnen und ehren möchte:

 
Christian sitzt in seinem eRollstuhl neben ihm lehnt seine Partnerin Grit auf ihm. Beide heben jeweils einen Fuß auf eine Ballettstange vor einem Spiegel.
Christian sitzt in seinem eRollstuhl neben ihm lehnt seine Partnerin Grit auf ihm. Beide heben jeweils einen Fuß auf eine Ballettstange vor einem Spiegel.

Grit Uhlemann – meine Lebenspartnerin

Künstlerin (Keramik & Performance), Muse, Weggefährtin und Verbündete. Mit ihren „Porzellanlandschaften“ und Workshops zu Glasuren prägt sie meine Sicht auf Material und Form; gemeinsam standen wir vor der Kamera in „Touch Me Not“ und in der Biennale‑Installation „You Are Another Me – A Cathedral of the Body“ und wirkten in der Army of Love. Sie inspiriert mich täglich – im Atelier und im Leben.

Alessandro Schiattarella

A Choreograf und Performer aus Basel. Er verbindet Tanz und Disability‑Ästhetik und zeigt, wie Zugänglichkeit poetisch und radikal zugleich sein kann. Seine Arbeiten haben mir Mut gemacht, „Access“ als künstlerisches Mittel zu begreifen.

Viktoria Modesta

„Bionic Pop Artist“ (Künstlerin mit Prothesen‑Ästhetik). Ihre Performances und das Video „Prototype“ spielen souverän mit Körpermodifikation und Identität. Sie dreht den Blick weg vom Mangel hin zu Möglichkeiten – das inspiriert mich.

Bertolt Meyer

DJ und Psychologie‑Professor. Er hackte seine Armprothese zum Synth‑Controller – „SynLimb“, einem Prothesen‑Synthesizer – und steuert damit modulare Klänge. Für mich ein Vorbild dafür, Technik kreativ umzunutzen.

Chris Heer (aka Chris Cripping)

Aktivist:in und Performer:in aus Zürich, Teil eines Drag‑King*Quing‑Kollektivs (queeres Bühnenformat jenseits binärer Geschlechter). Bringt Behindertenpolitik in queere Kultur – mutig, direkt, empowernd.

Dan Daw

Tänzer und Choreograf. In „The Dan Daw Show“ verhandelt er Lust, Scham, Einvernehmlichkeit und Ableismus – roh, witzig, berührend. Das hat mir neue Spielräume für Performance geöffnet.

Joachim Klauer (†)

Bildender Künstler und Freigeist, der mit einer Querschnittlähmung lebte; sein Leben und Arbeiten zeigt der Dokumentarfilm „König wider Willen“ (Regie: Martina Humberg, heute Jacobs). Als Freund prägten mich seine Ruhe, sein Blick für Farbe und sein selbstbestimmtes Tempo – er machte mir klar: Tempo ist eine künstlerische Entscheidung. Über ihn habe ich Grit kennengelernt – er war ein Knotenpunkt in meinem Leben.

Mein Assistenzteam

Sie unterstützen mich nicht nur pflegerisch, sondern bringen sich oft auch künstlerisch ein. Wir tauschen Ideen, testen Aufbauten und geben einander ehrliches Feedback. So entsteht Nähe und eine Vertrauensbasis (auch „Access Intimacy“), die Kunst und Alltag trägt. Zu meinem Team gehört auch Martina Jacobs (früher Humberg) – sie drehte den Film „König wider Willen“ über Joachim.

Netzwerke

RAMPD (Recording Artists and Music Professionals with Disabilities), queere Bühnen (LGBTQIA*‑Kontexte) und zeitgenössischer Tanz – sie zeigen mir, wie Barrierefreiheit zur Ästhetik wird und wie crip joy entstehen kann.

Was ich mir vom Kunstbetrieb wünsche

Für mich gilt: Kunst ist Beziehung. Wenn ich Räume öffne, frage ich: Wer fehlt? Wir arbeiten im Team, teilen Wissen und schauen aufeinander. Barrierefreiheit ist sichtbar und sinnlich – nicht nur Logistik.

Ohne Barrierefreiheit keine Premiere. Barrierefreiheit gehört in Vertrag, Budget und Zeitplan. Dazu: Vorab‑Begehung, Access Rider (eine kompakte Seite mit meinen Bedarfen), Notfallplan, Strom/Ladezeit, ruhiger Rückzugsraum, flexible Sitzhöhen und klare Wege. Ohne Barrierefreiheit keine Eröffnung.

CripTime als Standard. Längere Zeitfenster, flexible Pausen, ruhige Räume, klare Wege. Vor Ort, online oder asynchron – alle Optionen sind gleichwertig.

Mitbestimmen & fair zahlen. „Nichts über uns ohne uns“ gilt verbindlich. Behinderte Menschen entscheiden mit – in Leitungen, Jurys, Teams. Wir laden gezielt behinderte Menschen of Color, trans*und neurodiverse Menschen ein – auf und hinter der Bühne. Honorare sind transparent; Assistenz, Dolmetschen und Fürsorge sind eigene Budgetposten – nicht vom Honorar abgezogen. Faire Namensnennungen in allen Materialien.

Gemeinsam entwerfen. Co‑Design ab Tag 1 mit behinderten Künstler:innen und Besucher:innen.

Erst Barrierefreiheit, dann Technik.

High‑Tech ist willkommen; einfache Lösungen zählen genauso. Aufbauten und Checklisten teilen wir offen, damit andere nachnutzen können.

Publikum einbinden. Vor jeder Show frage ich nach Wünschen für guten Zugang und setze sie – wenn möglich – um: kurze Einführungen, Inhaltswarnungen, Ruhezeiten, Sitzplätze in mehreren Höhen – und Livestream ohne Hürde.

Klar und lesbar. Untertitel, Audiodeskription (gesprochene Bildbeschreibung), klare Sprache, gute Kontraste, Alternativtexte (Alt‑Texte), barrierefreie PDFs und Websites. Ticketverkauf, Infomails und Wegführung sind einfach zugänglich.

Sicherheit & Fürsorge. Ruhiger Rückzugsraum, reizärmere Zonen, barrierefreie Toiletten (inkl. Liege), Ladepunkte, Begleitperson frei, klare Evakuierung. Teams werden regelmäßig geschult.

Verbindliche Ziele & Bericht. Förderungen an Barrierefreiheit knüpfen. Nach jeder Produktion ein kurzer Barrierefreiheits‑Bericht: Was lief gut? Was ändern wir? Zahlen und Aufgaben öffentlich machen.

Langfristig denken. Barrierefreiheit ist Hausstandard: Wartung, Schulungen, feste Budgets – jedes Jahr.

Leitbild. Wenn Kunst und Leben ununterscheidbar werden, stimmt die Richtung.

Ich lebe die Idee: Kunst ist nicht nur etwas, das ich mache. Kunst ist, wie ich da bin.

Mein Fazit

Kunst macht mich nicht „trotz SMA“ stark. Sie gibt mir Sprache und Verbündete. Wenn wir Barrierefreiheit als Teil der Ästhetik denken, profitieren alle – und Kunst wird das, was sie sein kann: ein Raum für alle Körper. 🙂

Christian liegt in seinem eRollstuhl und betrachtet eine große Kunstinstallation im Museum.
Christian liegt in seinem eRollstuhl und betrachtet eine große Kunstinstallation im Museum.

Christian vor großem Wandgemälde mit fliegendem weißen Pferd über dunkler Landschaft im Museum


Gastautor Christian
Jahrgang 1975, SMA Typ II

Redaktionsteam - Gast
Redaktionsteam - Gast
AUTOR*IN •
SMAlltalk SMA

Weitere Beiträge der Serie

Fortsetzung folgt...

Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen. 

Biogen-277520

Abonniere unseren Newsletter!

Dein Abonnement konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
<b>Vielen Dank für deine Anmeldung! Um die Anmeldung zum SMAlltalk Newsletter abzuschließen, müssen wir deine E-Mail-Adresse bestätigen. Klicke dafür bitte auf den Link in der E-Mail, die wir dir gerade geschickt haben.

* Pflichtfeld

 

Newsletter
Newsletter

Andere Artikel zum Thema Freizeit & Haustiere