Im städtischen Schwimmbad angekommen, gab es direkt eine positive Überraschung: aufgrund des Merkzeichens „B“ in meinem Schwerbehindertenausweis war der Eintritt für eine Begleitperson nicht nur ermäßigt, sondern komplett frei. (Hierauf gibt es keinen Rechtsanspruch. Das ist immer von Betreiber zu Betreiber unterschiedlich geregelt.)
Vor der Umkleide reinigten wir zunächst noch gründlich die Räder meines Rollstuhls. Hierfür hatte ich extra von Zuhause einen Putzlappen und Einweghandschuhe mitgebracht. Wasser gab es am Waschbecken im Umkleidebereich. Alternativ hätte ich das Reinigungspersonal des Bades um einen Eimer Wasser gebeten.
Da ich mit meinem Rollstuhl in die Schwimmhalle fahren musste, war die Reinigung der Räder nicht nur notwendig, sondern selbstverständlich. Läuflinge müssen ihre Straßenschuhe schließlich auch im Spind lassen. Das geht mit Rollstuhlrädern nicht. Deshalb die Reinigung bevor es weiterging.
Und zwar in die Umkleidekabine für Rollstuhlfahrer. Diese war geräumig, mit mehreren Spinden sowie einem Spiegel auf Sitzhöhe ausgestattet. Außerdem stand hier ein Dusch-Rollstuhl bereit. Da ich aufgrund meiner körperlichen Verfassung darin nicht sitzen könnte und ohnehin nicht plante, nass zu werden, beachteten wir ihn nicht weiter.
Mein Freund wechselte in Badehose und Badelatschen. Aufgrund der angenehm warmen Temperaturen, entschied auch ich mich für oben ohne und hochgezogene Hosenbeine meiner Jogginghose (dazu später noch mehr).
Nächste Station war die rollstuhlgerechte Dusche. Wobei, eigentlich eher ein rollstuhlgerechtes Badezimmer. Komplett mit Toilette, unterfahrbarem Waschbecken, viel Platz, einer ebenerdigen Dusche mit Sitzfläche und sogar einer Duschliege für Erwachsene. Einzig ein Deckenlifter fehlte.
In der Schwimmhalle hingegen gab es einen Poollift. Aufgrund der Bauart mit einem Sitz für mich persönlich ungeeignet – aber ich wollte ja eh nicht ins Wasser.
Als ein Bademeister auf uns zukam, rüstete ich mich innerlich schon für eine Diskussion, dass ich mit dem „Straßen“-Rollstuhl hier nicht rein dürfe. Ich war schon darauf eingestellt, unser gründliches Rollstuhlräderreinigungsprocedere (unbedingt für den nächsten Scrabble-Abend merken 😉) zu erläutern. Aber er fragte nur, ob wir Hilfe bräuchten. Als wir das verneinten, meinte er, wir sollten uns einfach melden, wenn was sei.
Wider Erwarten war mir auch gar nicht langweilig, während mein Freund auf der Kraulbahn seine Runden zog. Es gab schließlich allerlei zu entdecken: der Vater, der seiner Tochter Delfinschwimmen beibrachte. Die Kinder, die in der Rutsche kreischten oder ausgelassen unter den wachsamen Augen der Bademeister vom 1m-Brett sprangen. Die coolen Jungs, die für Selfies posierten und danach erstmal eine rauchen gingen. Die Typen, die im Schwimmbad ihre Sportübungen machten, damit sie auch bloß jeder sieht. Und natürlich die vermeintlichen Schwimmprofis, die wahrscheinlich wochenlang das richtige Schwimmequipment zusammengestellt hatten, nur um dann nach einer Bahn schon wieder aus dem Becken zu steigen.
Zwischen seinen Schwimmrunden, Turmsprüngen und Rutschbahnen gesellte sich mein Freund immer wieder zu mir. Dann beobachteten wir gemeinsam das bunte Treiben, quatschten und lachten.
Später machten wir einen Abstecher in den Gastro-Bereich. Das dortige schwimmbadtypische Speisen-Angebot war zwar weder schluckfreudig noch sondentauglich. Dafür gab es super leckere Milchshakes.
Abschließend ging es noch in die Saunalandschaft. Da mein Elektrorollstuhl wahrscheinlich weder Temperaturen noch Luftfeuchtigkeit in den unterschiedlichen Saunen gut vertragen hätte, behielten wir unsere immer-mal-wieder-zwischendurch-zusammen-chillen-Taktik bei.
Und während ich so da saß und nackte Leute um mich herumliefen, fiel mir auf, dass ich mich zwischen all den unterschiedlichen Körpern in meinem, durch die SMA deutlich gezeichneten Körper absolut wohl fühlte. Natürlich hatten in den letzten Stunden ein paar der anderen Badegäste geschaut. Vor allem Kinder. Aber ich bin ganz ehrlich, dass auch ich keinen Hightech-Rollstuhl im Hallenbad vermuten würde – und ich bin selber tagtäglich mit einem solchen Stuhl unterwegs. Da außerdem alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren, konnte ich einfach nur sein. In meinem Rollstuhl. In meinem Körper.
Neben einem Nachmittag der – das gestanden wir uns hinterher gegenseitig ein – für uns beide unterhaltsamer und unkomplizierter war, als sowohl mein Freund als auch ich erwartet hätten, wohl das beste Ergebnis, was ich mir wünsche konnte. Dafür, dass ich einfach mal mitgekommen bin.
Aktuell bin ich übrigens gerade dabei, herauszufinden, wie auch ich mal in die Sauna könnte. Mein Freund meinte schließlich, manche wären sogar entspannter als Hochsommer auf Mallorca – ich werde berichten…
Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen.
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