GAST •
AUTOR*IN •
SMAlltalk SMA
Aus alten Schichten wächst Neues – „Orchideen in den Gemäuern“.
So fühlen sich manche Projekte an: Wir tragen Schicht um Schicht ab, bis darunter Möglichkeiten sichtbar werden.
Oscar Wilde schrieb: Man sollte ein Kunstwerk sein oder eins tragen. Ich versuche beides – Körper als Kunst, Barrierefreiheit als Gestaltung. Ich dokumentiere Setups kurz und teile Checklisten und Eingabeanweisungen, damit andere sie übernehmen und anpassen können.
Auf meiner Japanreise hat mich ein Waggon der „Aoniyoshi“‑Linie zu einer Idee geführt: ein japanischer Garten in 8‑Bit. Ich sammle Motive – Fuji, Pagoden, Torii, Neon – und forme daraus mit KI (ChatGPT fürs Texten/Prompten, Ideogram und Midjourney für die Bildwelt) eine pixelige, poetische Collage. Das Projekt ist zugleich ein Testfeld für KI‑Bias (algorithmische Verzerrung): Zeigt die Maschine meinen Rollstuhl? Wie verändert Wortwahl die Darstellung? Ich kuratiere die Varianten, bis die Bilder meine Perspektive tragen – schnell auch mal nur mit dem Smartphone.
Gemeinsam mit Yesica Duarte und Puneet Jain arbeite ich an einer multisensorischen XR‑Installation (Extended Reality – erweiterte Realität), die bei Ars Electronica (Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft) zu sehen war. Das Publikum navigiert per Mund‑Gesten (Kiefer, Zunge, Lippen) durch eine virtuelle Welt – eine Interaktion, die an meine eigene Motorik anschließt. Ziel ist ein Perspektivwechsel: weg vom „defizitären“ Körperbild hin zu Lust, Kultur und Technik, die sich an vielfältigen Körpern orientieren.
Im Leonardo CripTech AI Lab entwickeln wir einen KI‑Chatbot, der Nutzer:innen subtil, subversiv und gern auch provokant mit Ableismus (Diskriminierung aufgrund von Behinderung) konfrontiert. Die Idee: kurze Dialoge, Humor mit Stachel, kleine Friktionen – genug, um Muster sichtbar zu machen, ohne mit dem Zeigefinger zu arbeiten. Prototypen entstehen bei mir oft direkt per Spracheingabe: Ich skizziere Eingabeanweisungen, teste Antworten, leite daraus Szenen und Gesprächsführungen für die finale Version ab.
Ich bin eine der Hauptpersonen im Film „Touch Me Not“ (Goldener Bär, Berlinale 2018). Später war ich Teil der Installation „You Are Another Me – A Cathedral of the Body“ auf der Biennale Venedig 2022. Gemeinsam als Paar standen Grit Uhlemann und ich vor der Kamera. Beide Arbeiten öffnen Raum für Nähe, Würde und Lust – wir erzählen selbst, was unser Körper bedeutet.
Ich wirke im Projekt „Army of Love“ mit – oft gemeinsam mit meiner Lebenspartnerin Grit Uhlemann als Paar auf der Bühne. In Trainings und Performances üben wir Zuwendung als Kunst – respektvoll, einvernehmlich und für alle Körper. Das prägt meine Performance‑Arbeit: Präsenz, Blickkontakt, klare Absprachen.
Wenn ich ein großes Projekt zu SMA umsetzen könnte, wäre es ein CripTime Studio: eine VR‑Installation mit KI, die Tempo, Blick und Zugang an unterschiedliche Körper anpasst. Besucher:innen steuern mit Stimme oder minimalen Gesten und erleben, wie Wünsche an die Barrierefreiheit Räume verändern. Kunst, die spielerisch zeigt, wie sich Welt an Menschen anpasst – nicht umgekehrt. Die Idee dahinter: eine Zukunft, in der Behinderung selbstverständlich dazu gehört. Wir ändern Räume und Regeln – nicht die Menschen.
Christian als Pixel-Art-Figur in verschiedenen Posen
Gastautor Christian
Jahrgang 1975, SMA Typ II
Fortsetzung folgt...
Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen.
Biogen-277519