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Mit SMA zum Führerschein – mein langer Weg – Warum Autofahren mit SMA viel Kraft, Umwege und Mut braucht

Den Führerschein mit SMA zu machen ist sehr viel langwieriger als bei gesunden Menschen. Als ich mit 17 im Internat in Neckargemünd war, wurde mir geraten, den Führerschein während der Ausbildung zu machen – da hätte das Amt die Kosten übernommen. Hätte ich später einen Vollzeitjob bekommen, wären auch viele Kosten für ein angepasstes Auto übernommen worden. Klingt gut – die Umsetzung war aber nicht ganz so einfach…

 
Alina am Steuer ihres umgebauten Autos sitzend
Alina am Steuer ihres umgebauten Autos sitzend

Ich habe also ganze Samstage damit verbracht, Fahrstunden zu machen. Das Fahrschulauto musste jedes Mal auf mich angepasst werden, und das lohnt sich nicht für zwei Stunden am Nachmittag. Außerdem musste ich mir einen E-Rollstuhl ausleihen, den ich damals noch nicht hatte. Es war brutal anstrengend, und mit dem Fahrlehrer habe ich leider auch nicht so gut harmoniert.

Führerschein? Brauche ich nicht.

Kurz vor der Prüfung verschlechterte sich dann meine SMA. Ich hätte theoretisch noch mal umschulen müssen. Mit Blick darauf – und darauf, dass ich nicht glaubte, jemals Vollzeit arbeiten zu können – entschied ich mich, die Fahrausbildung abzubrechen. So hätte ich später zumindest die Chance, ein Taxi zum Arbeitsplatz bezahlt zu bekommen.

Jahre vergingen, und tatsächlich kam es so: Ich war nie in Vollzeit oder Teilzeit fest angestellt. Bedeutet: Ein Auto zu finanzieren wäre für mich nie möglich gewesen, und ein Führerschein ohne Auto bringt einem reichlich wenig.

Außerdem wohnte ich damals in Neckargemünd bei Heidelberg, wo es genug barrierefreie Bus- und Bahnanbindungen gab. Passte also.

Der Wunsch zurück ans Steuer

Doch dann heiratete ich einen Fahrlehrer. 😀 Und plötzlich wohnte ich wieder auf dem Dorf – und da merkt man sehr schnell, dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt nicht weit kommt. Schon gar nicht als Rollstuhlfahrerin.

Mein Vater war so nett und besorgte ein Auto, in dem ich gefahren werden konnte. Aber mit der Zeit wurde das sehr schmerzhaft für mich, besonders wenn die Fahrer*innen– z. B. meine Assistent*innen – noch sehr unerfahren mit meiner Situation waren.

Und irgendwie kribbelte der Gedanke dann doch wieder in meinem Bauch: ob ich nicht irgendwann selbst fahren könnte? Stichwort: Generation Need for Speed.

Also suchte ich nach Möglichkeiten – und fand welche. Spoiler: nicht alle davon waren die besten.

Ich kaufte mir schließlich einen 15 Jahre alten Chrysler Voyager, der schon größtenteils auf meine Bedürfnisse umgebaut war. Ich investierte nochmal sehr viel Zeit und Geld, um ihn perfekt auf mich anzupassen und zusätzlich einiges reparieren zu lassen.

Da ich mittlerweile jedoch 200 km von Heidelberg entfernt wohnte – und die einzige Fahrschule mit entsprechenden Autos in Heidelberg war – musste ich mir etwas anderes überlegen. Das hätte ich körperlich und organisatorisch niemals geschafft.

Umbau, Prüfung und jede Menge Chaos

Also ließ ich mein eigenes Auto ebenfalls zum Fahrschulauto umbauen. Alles wurde geklärt, was geklärt werden musste – und mein Mann wurde mein Fahrlehrer.

Überraschend kam dann noch dazu: Ich wurde schwanger.

Die Fahrprüfung legte ich zwei Wochen vor der Geburt ab – und auf dem Weg zur Prüfung nahm mir jemand die Vorfahrt. Ich musste eine Vollbremsung hinlegen, saß heulend im Auto und ging dann so in meine Prüfung. Ich bestand.

Aber auf dem Heimweg ging bei meinem Auto dann die Motorkontrollleuchte an und das Ende vom Lied war: Ich bin mit diesem Auto nicht mehr oft gefahren und hatte dementsprechend auch nicht viel Fahrpraxis.

Happy End

Nach weiterem Suchen und viel Nervenkrieg hatte ich dann das Glück, dass ein gebrauchtes, für mich geeignetes Auto verkauft wurde. Der Besitzer entschied sich, mich zuerst anzufragen – und gleichzeitig fand ich eine Stiftung, die mir das Auto finanzierte.

Und damit war ich dann endlich glückliche Fahranfängerin. Mit Baby an Bord.


Gastautorin Alina,
Jahrgang 1991, SMA Typ III

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