Redaktionsteam - Gast
Redaktionsteam - Gast
AUTOR*IN •
SMAlltalk SMA

Mein Weg zum Führerschein – Schritt für Schritt zur Freiheit

Der Führerschein bedeutete für mich Freiheit und Selbstständigkeit – doch der Weg dorthin war von vielen Gedanken, Zweifeln und Hürden geprägt. In diesem Text erzähle ich, was mich auf meinem Weg zum Führerschein begleitet und angetrieben hat.

 
Ein Foto von Sandra, die am Steuer ihres umgebauten Autos mit speziellen Fahrzeuganpassungen sitzt.
Ein Foto von Sandra, die am Steuer ihres umgebauten Autos mit speziellen Fahrzeuganpassungen sitzt.

Die ersten Schritte

Mein Weg zum Führerschein begann etwa im Jahr 2012. Zu dieser Zeit nahm ich während der Sommerferien regelmäßig an Rehabilitationsmaßnahmen für Muskelerkrankungen teil. Dort konnte ich über die Jahre viele Kontakte knüpfen und mich intensiv mit anderen Betroffenen austauschen. Einige meiner Freundinnen und Freunde besaßen bereits einen Führerschein und ein eigenes Auto – das weckte meine Neugier und den Wunsch, selbst Auto zu fahren.

Der Führerschein wurde für mich zu einem großen Ziel und einem lang gehegten Traum. Ich wollte nicht länger auf Taxi, Bus oder Bahn angewiesen sein. Jede Person, die im Rollstuhl sitzt, weiß, wie herausfordernd es sein kann, alltägliche Wege unkompliziert und selbstständig zu bewältigen.

Zweifel, Widerstand und mein Durchhaltewille

Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, ziehe ich es auch durch. Innerhalb meiner Familie gab es jedoch lange Zeit große Zweifel. Meine Eltern waren über meine Möglichkeiten kaum informiert und hielten meinen Wunsch zunächst für unrealistisch. Der Austausch fehlte, und Sätze wie „Das ist unverantwortlich!“ oder „Wie willst du Auto fahren?“ trafen mich sehr. Ich war enttäuscht – gab aber nicht auf und verfolgte mein Ziel konsequent weiter.

Über eine Freundin erhielt ich schließlich den Kontakt zur spezialisierten Fahrschule „Das Buersche Team“ aus Gelsenkirchen. Dort wurde ich vom ersten Moment an umfassend unterstützt – sowohl bei den Anträgen als auch im gesamten Ausbildungsprozess. Auch Freundinnen und Freunde mit Führerschein standen mir motivierend zur Seite.

Kostenübernahme, Ausbildung und individuelle Anpassungen

Da ich mich zu dieser Zeit in einer Ausbildung befand, beantragte ich bei der Agentur für Arbeit die Kostenübernahme für den Führerschein. Je nach Lebenssituation ist dafür eine andere Behörde zuständig. Ich begründete den Antrag mit der Notwendigkeit, meinen Arbeitsweg selbstständig bewältigen zu können.

Die Kosten lagen aufgrund meiner Behinderung deutlich über denen eines regulären Führerscheins. Die zuständige Stelle hatte wenig Erfahrung mit dieser Thematik, was den Prozess erheblich verzögerte. Erst nach über einem Jahr, vielen Begründungen und viel Durchhaltevermögen wurde die vollständige Kostenübernahme für den Führerschein bewilligt – allerdings ohne die Kosten für ein Fahrzeug.

Die theoretische Ausbildung absolvierte ich bei einer ortsansässigen Fahrschule und bestand die Prüfung problemlos. Die praktischen Fahrstunden übernahm die bundesweit tätige Fahrschule „Das Buersche Team“, die für mehrere Tage mit Wohnmobil, Trailer und Fahrschulfahrzeug nach Kiel kam.

Gemeinsam wurde ermittelt, welche Fahrweise für mich am besten geeignet ist. Da ich Gas und Bremse nicht mit den Füßen bedienen konnte, war schnell klar, dass ich mit Handgas und Handbremse fahren würde. Das Fahrschulfahrzeug wurde individuell auf mich abgestimmt: Gas und Bremse bediente ich mit der linken Hand, gelenkt wurde mit einem speziellen Lenksystem über die rechte Hand. Blinker, Licht und Scheibenwischer waren über angepasste Bedienelemente erreichbar. Selbstverständlich verfügte das Fahrzeug über ein Automatikgetriebe.

Für die Fahrstunden setzte ich mich in einen speziell angepassten Elektrorollstuhl um, der mithilfe einer „Dahl Docking Station“ sicher vor dem Lenkrad fixiert wurde.

Erfolg, Stolz und der nächste große Schritt

Anfangs hatte ich großen Respekt vor dem Autofahren. Doch schon nach den ersten Stunden war klar: Mit den richtigen Hilfsmitteln war das Fahren problemlos möglich. Ich fuhr Auto – und war überglücklich.

Eine besondere Fahrstunde führte mich schließlich über die Autobahn zu meinen Eltern. Als ich in die Einfahrt fuhr, reagierte meine Mutter sehr emotional, weinte vor Freude und war stolz auf mich. In diesem Moment wusste ich, dass ich auch diese Hürde überwunden hatte.

Kurz darauf absolvierte ich meine praktische Fahrprüfung in Dortmund. Nach einigen Auffrischungsstunden bestand ich sie beim ersten Versuch. Endlich hielt ich meinen Führerschein in den Händen – und damit ein großes Stück Selbstständigkeit.

Der nächste und zugleich größte Kampf begann jedoch erst danach: die Anschaffung eines geeigneten Fahrzeugs. Dazu werde ich gerne demnächst weiter berichten. Seid gespannt!

Ein Foto von Sandra, die in einem Elektrorollstuhl auf der Hebebühne ihres Autos sitzt.
Ein Foto von Sandra, die in einem Elektrorollstuhl auf der Hebebühne ihres Autos sitzt.

Sandra auf der Hebebühne ihres eigenen Autos


Gastautorin Sandra,
Jahrgang 1989, SMA Typ III

Redaktionsteam - Gast
Redaktionsteam - Gast
AUTOR*IN •
SMAlltalk SMA

Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen. 

Biogen-282064

Abonniere unseren Newsletter!

Dein Abonnement konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
<b>Vielen Dank für deine Anmeldung! Um die Anmeldung zum SMAlltalk Newsletter abzuschließen, müssen wir deine E-Mail-Adresse bestätigen. Klicke dafür bitte auf den Link in der E-Mail, die wir dir gerade geschickt haben.

* Pflichtfeld

 

Newsletter
Newsletter

Andere Artikel zum Thema Mobilität & Reisen