Redaktionsteam - Amelie
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JAHRGANG 1998 •
SMA TYP III

Bewerbungsprozess und SMA – Summa-cum-laude-Abschluss und trotzdem Absagen?

Mein Bewerbungsprozess war anders, als ich es erwartet hatte – und oft auch herausfordernd. Hier erzähle ich, was mich mein Bewerbungsprozess mit SMA gelehrt hat.

 
Ein Foto von oben von Amelies Händen beim Tippen auf einer Tastatur neben ihrem Laptop.
Ein Foto von oben von Amelies Händen beim Tippen auf einer Tastatur neben ihrem Laptop.

Mein Weg ins Berufsleben mit SMA

Als ich meinen Uniabschluss als Architektin endlich in der Tasche hatte, habe ich mich auf den Weg ins Arbeitsleben gemacht und erste Bewerbungen verfasst und verschickt. Ich war guter Dinge, schnell einen passenden Job zu finden – schließlich habe ich ein herausragendes Masterzeugnis und die eine oder andere Zusatzqualifikation vorzuweisen.

Tja, dieser Optimismus ging mir zwischenzeitlich etwas verloren, nachdem ich jede Menge Absagen erhalten habe…

Bereits bei der Zusammenstellung meiner Bewerbungsunterlagen habe ich mir die Frage gestellt, ob ich meine Behinderung direkt im Anschreiben erwähne oder sie erst einmal für mich behalte. Denn meine Arbeitsqualität beeinflusst meine SMA zumindest nicht. Der einzige Unterschied zwischen mir und meinen Kolleg*innen: Ich sitze nicht auf einem Bürostuhl, sondern im Rolli-Porsche und benötige eine barrierefreie Toilette. Das war es auch schon.

Warum ich offen über meine Behinderung spreche

Dennoch habe ich mich schnell dafür entschieden, offen mit meiner Behinderung umzugehen. Zum einen wünsche ich mir einen offenen Umgang am Arbeitsplatz – also möchte ich ihn auch vorleben. Und zum anderen gehört meine Behinderung zu mir. Ich kann und will sie weder wegdiskutieren noch verheimlichen.

Auch wenn es durch meine Offenheit tatsächlich sehr herausfordernd und teilweise diskriminierend war, diesen Prozess zu durchlaufen und zu wissen, dass man aufgrund der Behinderung abgelehnt wird, konnte ich auch viel daraus mitnehmen. Denn ich möchte meine Ressourcen dort einbringen, wo meine Arbeit geschätzt wird – unabhängig davon, ob ich im Rollstuhl sitze oder nicht.

Die Situation, dass eine Stelle gut zu mir gepasst hätte, die Bürobedingungen aber einfach nicht rollstuhlgerecht waren und sich auch nicht im notwendigen Maß anpassen ließen, war besonders frustrierend für mich. Denn letztlich zeigt das in meinem Fall nur, dass genau dort meine Expertise als Architektin mit Schwerpunkt auf barrierefreier Planung am dringendsten gebraucht worden wäre.

Meine Behinderung als Bereicherung

Ich sehe meine Rollstuhlfahrerinnen-Perspektive als echte Bereicherung für Planungsbüros. Denn bestimmte Bauprojekte müssen heute barrierefrei geplant werden. Und Barrierefreiheit ist die Grundvoraussetzung für eine inklusive Gesellschaft.

Leider werden Architekt*innen meiner Ansicht nach im Studium zu wenig darin geschult, was barrierefreie Planung konkret bedeutet. Es gibt Regelwerke und DIN-Normen, die angewendet und nachgewiesen werden müssen. Doch es gibt gravierende Qualitätsunterschiede in der Planung – je nachdem, ob ich eine DIN-Regel nur anwende, um sie formal nachzuweisen, oder ob ich sie sinnvoll und nutzbar in den Entwurf integriere, weil ich ihren Bedarf und Sinn wirklich verstanden habe.

Und genau hier kommt meine Rollstuhl-Perspektive ins Spiel. Sie ist in diesem Fall ein echtes Alleinstellungsmerkmal von mir.

Ich bin überzeugt, dass jedes Unternehmen, das einen Menschen mit Behinderung einstellt – egal in wel-cher Branche –, nur profitieren kann. Allein dadurch, dass eine neue Perspektive auf Arbeitsabläufe und im Umgang miteinander in das Unternehmen Einzug hält. Für mich ist das gelebte Inklusion.

Was ich aus dem Bewerbungsprozess für mich mitgenommen habe

Sollte ich mich erneut auf das Bewerbungs-Game einlassen und auf Jobsuche gehen, würde ich vieles genauso machen. In jedem Fall hat es sich für mich bewährt, dass ich offen mit meiner Behinderung umgehe. Denn selbst wenn ich in dem Prozess oft frustriert war durch die viele Ablehnung, die ich erfahren musste, wusste ich dadurch auch sofort, dass ich hier nicht glücklich werde und konnte eine passende Stelle suchen. Dennoch hat es mir in der gesamten Bewerbungszeit sehr geholfen, mit Freunden und Familie über alle Erfahrungen zu sprechen. So konnte ich mir immer wieder vor Augen halten, dass nichts falsch ist mit mir, sondern ich einfach das richtige Umfeld finden darf, um mich entwickeln und meinen Beitrag leisten zu können. Und das ist sicherlich bei jedem Menschen, der sich bewirbt, der Wunsch. Nur bekomme ich durch meine Behinderung direkteres Feedback, ob das Umfeld passt oder nicht.

Im nächsten Beitrag erfährst du, ob ich inzwischen eine Stelle gefunden habe.

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