Es ist ein unglaubliches Gefühl: Ich habe meinen Platz im Berufsleben gefunden. Über den Bewerbungsprozess habe ich bereits in meinem vorherigen Beitrag berichtet – nun ist mein Traum Wirklichkeit geworden, als Architektin zu arbeiten und barrierefreie Planung aktiv mitzugestalten.
Nach der aufwühlenden Bewerbungsphase war ich überglücklich, dass ich einen passenden Job im passenden Umfeld gefunden habe. Doch die Euphorie hielt nicht lange an…
Denn mein Antrag auf einen Pflegedienst wurde zunächst abgelehnt. Nicht, weil meine Bedürfnisse ungerechtfertigt waren, sondern weil es sich „nicht um häusliche Pflege" handeln sollte, schließlich gehe ich ja ins Büro. Ich war fassungslos, dass man sich an diesem Detail aufhängen konnte. Hätte ich im Homeoffice gearbeitet, wäre es dann „häusliche Pflege" gewesen? Dass meine Arbeit nicht in einer Behindertenwerkstatt, sondern auf dem ersten Arbeitsmarkt stattfindet, machte die Sache scheinbar noch komplizierter. Nach monatelangem Kopfzerbrechen, Beratungsgesprächen, Widersprüchen und unzähligen Telefonaten hielt ich sie endlich in den Händen: Die Genehmigung, dass zweimal am Tag der Pflegedienst zu mir ins Büro kommen darf und mich beim Toilettengang unterstützt.
Ich schreibe das hier nicht, um Mitleid zu bekommen, sondern weil es einmal mehr zeigt, wie viele bürokratische Hürden Menschen mit Behinderung überwinden müssen für Dinge, die selbstverständlich sein sollten. Jede Behinderung ist anders, jeder Mensch benötigt individuelle Unterstützung, um selbstständig und selbstbestimmt leben und arbeiten zu können. Doch die Inflexibilität von zuständigen Stellen macht die bedarfsgerechte Versorgung oft unnötig kompliziert oder verhindert sie sogar.
Mein aktueller Arbeitsplatz ist ein Ort, an dem ich mich als Architektin weiterentwickeln kann. Die Verantwortlichen haben nicht nur zugesehen, sondern gehandelt: Die Toilette wurde angepasst, sodass ich sie selbstständig nutzen kann. Der Umbau wurde unkompliziert über das Arbeitsamt gefördert. Ein Mitarbeiter des Arbeitsamts kam vorbei, wir haben gemeinsam besprochen, was angepasst werden muss, Kostenschätzungen wurden eingereicht, genehmigt und schließlich umgesetzt.
Meine Behinderung wurde von Anfang an als Chance gesehen. Meine Perspektive als Rollstuhlfahrerin bereichert die Planung und bringt neue Ideen in jedes Projekt ein.
Es ist faszinierend zu erleben, wie Offenheit, Flexibilität und Vertrauen in die Fähigkeiten von Menschen Türen öffnen können. Ich darf nicht nur meine Projekte gestalten, sondern auch Barrieren abbauen – und das macht mich unglaublich glücklich.
Für mich bedeutet das: Aus Herausforderungen werden Lösungen, aus Grenzen Chancen. Meine SMA hat mich gelehrt, dass kein Weg zu schwierig ist, wenn man ihn mit Entschlossenheit geht. Im Berufsleben zeigt sich das jeden Tag. Und ich bin gespannt auf alles, was noch kommt.
Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen.
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