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SMAlltalk SMA
Ich muss direkt zugeben: Remote Work war fĂŒr mich von Anfang an gar keine bewusste Entscheidung wegen meiner Krankheit. Ich war einfach auf Jobsuche, habe eine Stelle gefunden, die mich interessiert hat, und die war zufĂ€llig remote. Kein groĂer Plan ⊠einfach Zufall.
Und ehrlich gesagt war ich mir dabei noch nicht mal ganz sicher. Ich dachte immer, Remote wĂ€re auf keinen Fall etwas fĂŒr mich. Nur zu Hause, kein Menschenkontakt, den ganzen Tag zwischen den eigenen vier WĂ€nden? Ich dachte, mir fĂ€llt die Decke auf den Kopf. Spoiler: Es ist genau das Gegenteil eingetreten.
Jetzt mache ich das seit fast zwei Jahren und ich wĂŒrde nicht mehr tauschen. Aber ich will ehrlich sein und nicht alles nur schönreden, also kommen hier beide Seiten.
Der offensichtlichste Vorteil ist der Arbeitsweg. Der fĂ€llt einfach weg. Klingt banal, ist fĂŒr mich aber mehr als das.
In meinem alten BĂŒrojob gab es jeden Morgen Treppen. Jeden. Morgen. Rauf, runter, wieder rauf. Das war körperlich schon ermĂŒdend, bevor der Arbeitstag ĂŒberhaupt richtig angefangen hat.
Ich habe das damals irgendwie als normal hingenommen, aber rĂŒckblickend hat mich das wirklich schon Energie gekostet, die ich mir lieber fĂŒr andere Dinge aufgespart hĂ€tte. Sport nach der Arbeit? :D
Ich kann jetzt lĂ€nger schlafen, ruhig frĂŒhstĂŒcken und in meinem eigenen Tempo in den Tag starten. Das klingt vielleicht nach Luxus, aber bei SMA ist Energie eine echte Ressource. Wie ich meine Mahlzeiten und meinen Morgen gestalte, hat direkten Einfluss darauf, wie ich mich den Rest des Tages fĂŒhle.
Was ich unterschĂ€tzt hĂ€tte, wenn man mich vorher gefragt hĂ€tte: das Essen. Im BĂŒro habe ich nie wirklich gut gegessen. Keine Lust auf Mealprep, also irgendwas schnell gekauft oder gar nichts. Zu Hause koche ich mir mittags etwas Richtiges, frĂŒhstĂŒcke in Ruhe und snacke, wenn ich Hunger habe. Das klingt erst mal nach einem Lifestyle-Thema, aber ich merke den Unterschied in meinem Energielevel wirklich. Gerade mit SMA ist das keine Kleinigkeit, sondern ein echter Risikofaktor, den ich vorher komplett unterschĂ€tzt habe.
Was mich am meisten ĂŒberrascht hat, ist dieses GefĂŒhl von Freiheit. Ich weiĂ, dass das komisch klingt, weil ich schlussendlich ja trotzdem einen Chef habe und Aufgaben und Deadlines. Aber ich habe die volle Verantwortung darĂŒber, wie ich arbeite, wann ich Gas gebe und was ich priorisiere. Ich denke selbst mit, ich gestalte meinen Tag aktiv.
Das gibt mir ein GefĂŒhl von Selbstbestimmung, das ich im klassischen BĂŒrojob so nicht kannte.
Und da kommt noch etwas dazu, was ich interessant finde: Im Videocall sieht man nur mein Gesicht. Kunden, neue Kontakte, Leute, die ich noch nie getroffen habe â die wissen erst mal nichts von meiner Erkrankung.
Ich gehe zwar selbstverstÀndlich immer offen damit um und spreche es direkt an, aber der Punkt ist: Man begegnet mir zuerst als stinknormale Person, als jemand, der ganz normal arbeitet und seinen Job macht. Das hat was. Es fÀllt nÀmlich niemandem etwas auf.
Ich wĂ€re unehrlich, wenn ich nur die positive Seite von Remote Work zeigen wĂŒrde. Remote hat auch Schattenseiten, zumindest fĂŒr mich.
Manchmal fĂ€llt einem tatsĂ€chlich die Decke auf den Kopf. Wer keine Terrasse oder keinen Balkon hat ⊠Respekt, ich weiĂ nicht, ob ich das dauerhaft durchhalten wĂŒrde. Ich habe jetzt zum GlĂŒck eine eigene Terrasse und das macht wirklich einen rieeeesen Unterschied. Raus können, wann man will, kurz Luft schnappen, den Kopf frei kriegen oder bei schönem Wetter den ganzen Tag drauĂen arbeiten.
UnterschÀtzt man, bis man es hat.
Kollegen vermisse ich manchmal. Wir sehen uns drei- bis viermal im Jahr bei Teamtreffen und das macht immer SpaĂ, aber es ist halt nicht dasselbe wie tĂ€glich zusammenzuarbeiten.
Dieses spontane Miteinander, gemeinsam Mittag essen, kurz lachen zwischen zwei Terminen ⊠das wÀre schon manchmal cool. Aber es gibt leider nur entweder oder.
Und dann ist da noch die Disziplin. Ich bin meistens konzentriert und produktiv, aber es gibt Tage, da fehlt der Antrieb, den man bekommt, wenn andere um einen herum arbeiten. Im BĂŒro motiviert man sich manchmal gegenseitig, ohne es ĂŒberhaupt zu merken. Das muss man remote irgendwie selbst ersetzen, und das gelingt nicht immer gleich gut. Aber ich denke, solche Tage hat wirklich jeder.
Einer der gröĂten Fehler, den man remote machen kann, vor allem gerade mit SMA, ist zu glauben, dass weniger Bewegung okay ist, weil man eh schon körperlich geschont wird.
Ich habe gemerkt, wie viel ich sitze, wenn man nicht aufpasst. Den ganzen Tag am Schreibtisch, kaum Schritte, kaum Ausgleich. Das macht sich mit der Zeit bemerkbar âŠ
Deswegen habe ich mir mittlerweile einen Stehschreibtisch geholt, den ich hoch- und runterfahren kann. Riesiger Unterschied, hat sich gelohnt, denn Abwechslung ist wichtig. Und als NĂ€chstes kommt noch ein Laufband dazu, damit ich auch wĂ€hrend der Arbeit in Bewegung bleibe. Man muss sich remote aktiv darum kĂŒmmern, denn es passiert nicht von selbst.
SpaziergÀnge in der Mittagspause, kurze Wanderungen am Wochenende, einfach rausgehen, wenn man merkt, der Kopf dreht sich im Kreis. Das ist kein Nice-to-have, das ist sehr, sehr wichtig. Wer remote arbeitet und auch noch SMA hat, aber auch ohne, der sollte das von Anfang an fest einplanen.
FĂŒr mich persönlich ist Remote Work das Richtige. Ich wĂŒrde nicht mehr zurĂŒck. Nicht wegen der Krankheit, sondern weil es einfach zu meinem Leben passt. Aber ich will nicht verschweigen, dass es auch Disziplin, Selbstorganisation und ein bisschen KreativitĂ€t braucht, damit es wirklich gut funktioniert.
Wenn jemand ĂŒberlegt, ob Remote Work etwas fĂŒr ihn oder sie sein könnte: Probiert es aus, wenn ihr die Möglichkeit habt. Sales, Marketing, Customer Service â vieles funktioniert heute wunderbar von zu Hause.
Aber vernachlÀssigt dabei bitte nicht die Bewegung. Das ist mein wichtigster Tipp. Nicht wegen SMA, einfach weil man es sonst im Wohlbefinden merkt.
Gastautor Luca,
Jahrgang 2003, SMA Typ III
Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkuÌrlich gewaÌhlt und dienen ausdruÌcklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf UmsatzgeschaÌfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezuÌglich keinerlei Erwartungen.Â
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