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Wandern mit SMA – wie ich eine neue Leidenschaft entdeckt habe

Wandern war für mich lange alles andere als attraktiv – bis ich mich doch überwunden habe, es auszuprobieren. Hier erzähle ich, wie Wandern mit SMA für mich möglich geworden ist und warum es so viel mehr als nur Bewegung ist.

 
Blick über einen See mit kahlen Bäumen, bewölktem Himmel und einem kleinen Segelboot in der Ferne.
Blick über einen See mit kahlen Bäumen, bewölktem Himmel und einem kleinen Segelboot in der Ferne.

Ich muss ehrlich sagen: Wandern war für mich lange das „Uncoolste“, was man machen kann. Ernsthaft. :D Zumindest dachte ich das immer. Ich habe das eher mit älteren Leuten verbunden, die am Wochenende mit Thermoskanne und Wanderstöcken durch den Wald laufen. Nichts für mich. Dann hat meine Mutter aber damit angefangen. Und irgendwann kam bei meiner Freundin und mir die Idee auf, das auch mal auszuprobieren. Innerlich dachte ich: Hm… Ich weiß nicht. Bestimmt langweilig. Was soll daran Spaß machen? Aber ich habe mir einen Ruck gegeben – und wir haben es ausprobiert.

Der Moment, der alles verändert hat

Wir haben uns eine kleine Route rausgesucht, ungefähr eine Stunde, ziemlich entspannt, irgendwo im Grünen. Und dann ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet hätte: die Luft, die Stille, der Geruch vom Wald. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch :D – aber in dem Moment, in dem man wirklich mitten im Wald ist und um einen herum nur Vögel und Blätter zu hören sind, passiert etwas mit einem.

Ich kann kaum in Worte fassen, wie mich etwas so Simples so begeistern konnte. Danach war mir klar: Das war richtig gut. Ich will das nochmal machen.

Blick auf hohe Bäume im Wald, mit Efeu bewachsenem Stamm im Vordergrund und hellem Himmel.
Blick auf hohe Bäume im Wald, mit Efeu bewachsenem Stamm im Vordergrund und hellem Himmel.

Mitten im Wald – ein Moment der Ruhe zwischen hohen Bäumen und frischer Luft

An die Grenzen gehen – und darüber hinaus

Das habe ich bei meiner bisher härtesten Wanderung gemerkt: ungefähr zwölf Kilometer, 300 Höhenmeter, vier Stunden unterwegs. Ich war mehrfach kurz davor aufzugeben. An einem Punkt dachte ich wirklich: Okay, das war’s. Ich bleibe einfach hier stehen, rufe mir ein Uber zum Auto und fahre nach Hause. Aber irgendwie bin ich drangeblieben. Langsam, mit vielen Pausen – aber ich habe es durchgezogen. Und als wir fertig waren: dieses Gefühl. Ich war so unglaublich stolz auf mich. Das kenne ich aus wenigen Momenten in meinem Leben so intensiv.

Die nächsten zwei Tage hat dann allerdings alles wehgetan. :D Der Muskelkater war eklig – aber er zeigt auch: Es bewirkt etwas und tut gut.

Lesson learned: 300 Höhenmeter erstmal von der Liste streichen und sich langsam rantasten. Aber unmöglich ist es nicht. Irgendwann.

Was ich beim Wandern gelernt habe

Über die Zeit habe ich vor allem eines gelernt: Das Tempo ist alles. Ich gehe langsam und lasse mir Zeit. Pausen sind kein Zeichen von Schwäche – sie gehören dazu und sind unverzichtbar.

Es bringt nichts, sich durchzuziehen und es sich doppelt so schwer zu machen.

Und ich vergleiche mich nicht mit anderen. Manche sind doppelt so schnell – aber egal. Ich komme auch an. Und ich genieße es genauso.

Das war für mich eine wichtige Erkenntnis – nicht nur beim Wandern.

Warum Wandern mir so gut tut

Was das Ganze mit mir macht, ist schwer zu erklären. Es ist einer der wenigen Momente, in denen ich meine Krankheit fast vergesse. Obwohl es mich körperlich herausfordert. Klingt widersprüchlich – ist aber so. Der Kopf ist frei. Ich tue so viel, wie eben möglich ist. Und ich bin einfach draußen. Nach einer Wanderung bin ich immer ruhiger und entspannter. Ich merke, dass ich besser durch die Woche komme. Klingt vielleicht übertrieben – ist es aber nicht.

Praktische Tipps für den Einstieg

Am Anfang sind wir einfach mit Jeans und Straßenschuhen losgegangen. Das reicht völlig. Man braucht kein „Starter-Equipment“. Aber als wir gemerkt haben, dass es bei uns regelmäßig wird, haben wir uns Wanderschuhe und Regenjacken geholt. Und ja – das macht einen Unterschied. Gutes Schuhwerk ist keine Kleinigkeit. Die Schuhe sind leichter, bequemer und haben deutlich besseren Grip.

Wir gehen auch im Regen wandern – und ich finde das manchmal sogar schöner als bei Sonne. Der Wald riecht intensiver und es ist weniger anstrengend, wenn es nicht so warm ist. Für die Routenplanung nutze ich die App Komoot.

Mein wichtigster Trick: Ich suche mir Strecken, die mich schon auf den Bildern reizen – ein See, eine Kapelle, ein schöner Waldabschnitt. Wenn ich denke „Da will ich hin!“, zieht mich das durch die ganze Strecke.

Mein Fazit: Einfach anfangen

Und die Leute unterwegs? Die meisten freuen sich, wenn sie junge Leute beim Wandern sehen. Ein Lächeln hier, ein Gruß da. Kein Mitleid, kein komisches Angucken – einfach ein schöner Tag.

Wenn ich eine Sache mitgeben kann, dann diese: Wandern mit SMA ist möglich. Ich hätte das selbst nie gedacht. Fangt klein an – wirklich klein – und sucht euch eine Route, bei der euch am Ende etwas erwartet, das ihr sehen wollt. Der Rest ergibt sich fast von selbst.


Luca,
Jahrgang 2003, SMA Typ III

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