Neben den Fragen, wo ich arbeiten möchte und was mir am Arbeitsplatz wichtig ist, kamen natürlich auch Fragen nach dem „Wie“ auf. Denn ich kann zwar meine Arbeit selbstständig ausüben, benötige aber zum Beispiel beim Toilettengang Unterstützung. Ohne Assistenz kann ich also nicht vor Ort im Büro arbeiten.
Neben dem Bewerbungsprozess startete also, noch bevor ich eine Bewerbung losgeschickt habe, meine Inforunde bei der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB), dem Arbeitsamt, der Eingliederungshilfe, Assistenzdiensten und einer Rechtsanwältin. Ich habe mich zum Thema persönliches Budget beraten lassen. Es ist meiner Erfahrung nach eine gute Möglichkeit, um selbstbestimmt leben zu können. Doch es ist auch ein komplexes Beantragungsverfahren, das viel Geduld und Verständnis auf beiden Seiten fordert.
Es gibt in meinem Landkreis zumindest keine Leitlinie oder Standardverfahren, weil das persönliche Budget sehr individuell gehalten ist. Das ist einerseits super, denn es lässt Gestaltungsspielräume zu. Doch ich habe auch das Gefühl, dass niemand so richtig darüber Bescheid weiß, was möglich ist, und ich fühle mich an manchen Punkten sehr allein gelassen.
Daher habe ich hier auch leider keine hilfreichen Tipps, die diesen herausfordernden Gesprächen den Schrecken nehmen, denn ich stecke selbst noch mitten in dem Verfahren.
Ich kann aber aus meiner Perspektive berichten, dass es mir unfassbar hilft, frühzeitig in die Abstimmung zu gehen. Möglichst transparent zu kommunizieren, was ich genau benötige und was die Ziele sind, die ich verfolge. Und dann: möglichst viele unterschiedliche Beratungsstellen dazu befragen und die verschiedenen Ziele der einzelnen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei der Beratung reflektieren.
Das Amt wird beispielsweise versuchen, die kostengünstigste Variante zu finden, ein anderes Amt zu verpflichten oder den Bedarf zu kürzen. Das kann ich sogar ein Stück weit nachvollziehen. Oftmals ist das dann aber nicht die Option, die mir die notwendige Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglicht, die ich brauche.
Diese Gespräche zu führen, fällt mir persönlich schwer, weil ich direkt betroffen bin und letztlich auch meine Lebensführungsmöglichkeiten abhängig sind von der Entscheidung, die ein Amt für mich trifft. Hier den nötigen Abstand und Offenheit für neue Lösungen zu gewinnen, ist schwierig. Denn es geht letztlich um Grundbedürfnisse und Existenz.
Letztendlich haben wir gemeinsam dann am Ende eine passende Lösung für mich und meine individuelle Situation gefunden. Ein Pflegedienst unterstützt mich im Büro zweimal täglich beim Toilettengang. Das war’s auch schon. So viel Kopfzerbrechen und Bürokratie für eine Sache, die eigentlich selbsterklärend sein sollte.
Und genau der Punkt lässt mich auch oft wütend und gleichzeitig verzweifelt werden. Denn wir wollen letztlich ja nur die Unterstützung, die wir unbedingt benötigen, um am alltäglichen Leben teilhaben zu können.
Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen.
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