Redaktionsteam - Roberto
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Jahrgang: 1990 •
SMA TYP II

Wanderungen von Arzt zu Arzt – Teil 2 – Herausforderungen bei der Arztsuche

Von den Anfängen meiner Zahnprobleme habe ich bereits im ersten Teil berichtet. Erfahre hier, wie diese Odyssee weiter ging!

 
Warteraum einer Arztpraxis mit Stühlen und einem Rollstuhl
Warteraum einer Arztpraxis mit Stühlen und einem Rollstuhl

Meine Zahnprobleme fingen mit meiner jugendlichen Leichtsinnigkeit an. Doch nach meinen ersten Wanderungen von Zahnarzt zu Zahnarzt waren Faulheit und Unachtsamkeit für mich kein Thema mehr, denn aus meinen bisherigen Fehlern hatte ich nun gelernt. Aus einer Sache hatte ich allerdings noch nicht gelernt, denn ich war zunächst weiterhin nicht bereit, mir für regelmäßige Kontrollen die weite Fahrt in die Universitätsklinik anzutun. Und das, obwohl ich dort gute Erfahrungen mit der Behandlung gemacht hatte. Aber diese lange Reise war mir mein Zahnleiden nun doch noch nicht wert.

Allerdings brauchte ich nun aufgrund von schlechten Erfahrungen mit meinem ehemaligen Zahnarzt einen neuen Behandler. Doch es war für mich schwierig, einen einigermaßen geeigneten Ersatz für meinen ehemaligen Zahnarzt zu finden. Der erste Grund für diesen Umstand ist die Barrierefreiheit. Da ich ständig in meinem Rollstuhl unterwegs bin und mich nicht mal eben umsetzen kann, ist es notwendig, dass eine Arztpraxis über Türen und Räume verfügt, die breit genug sind, damit ich mit meinem Rollstuhl hindurchpasse. Darüber hinaus muss sie möglichst stufenlos erreichbar sein, denn gerade mit Elektrorollstühlen sind Stufen, insbesondere mehrere, nicht zu überwinden. Zuletzt habe ich auch festgestellt, dass es wichtig ist, Arztpraxen darüber zu informieren, dass man nicht umgesetzt werden kann, denn anstatt inklusiver zu werden, scheint sich die Medizintechnik in Profit und Effizienz weiterzuentwickeln. Behandlungen sind zum Beispiel etwa nur auf fest installierten Stühlen möglich, für die man sich umsetzen müsste, was ohne erheblichen Zeitaufwand, zu dem bislang kein Praxisarzt bereit war, nicht möglich wäre. Dies bringt dann die Anzahl an infrage kommenden Arztpraxen auf eine sehr niedrige Zahl. Noch kleiner wird diese Auswahl an Ärzten dann, wenn man folgendes beachtet:

Viele Ärzte behandeln einen meiner Erfahrung nach nicht, weil die Körperbehinderung und die damit zusammenhängenden Einschränkungen zu große Hindernisse für eine zeiteffiziente Behandlung darstellen – oder die Behandlung angeblich grundsätzlich nicht möglich sei.

Gerade dieser letzte Punkt ist für einen Menschen mit einer körperlichen Behinderung und zusätzlichem akuten Körperleiden extrem frustrierend.

Herausforderung Kieferklemme

Nachdem ich nach mehreren Anläufen dann doch einen Zahnarzt fand, der sich meiner annahm und Routineuntersuchungen sowie kleinere Behandlungen durchführte, nahm ich an, in sicheren Händen zu sein, …doch weit gefehlt. Erst vor wenigen Wochen musste ich aufgrund akuter Zahnleiden als Notfallpatient zum Zahnarzt meines Vertrauens, dieser gab sich erst hochmütig und meinte, sich dem Problem annehmen zu können, doch schließlich brach er die Behandlung ab, denn er war der Ansicht, dass keine Zahnarztpraxis einen solchen Fall mit Kieferklemme behandeln kann. Zudem war er auch der Ansicht, ich würde simulieren, obwohl die Kieferklemme rein durch die Spinale Muskelatrophie bedingt ist.

Weitere Rückschläge bei der Arztsuche

Durch Zufall entdeckte ich noch in derselben Woche eine Zahnarztpraxis im Nachbarort, die angeblich langjährige Erfahrung mit Menschen mit Behinderung hatte. Ein Prädikat, das als Werbung immer gut aussieht. Was ich vorfand, war eine fünfstufige Treppe ohne Nebeneingang. Da ich in weiser Voraussicht und ungutem Gefühl vorab in meinem Schieberollstuhl unterwegs war, konnte mein Assistent mich dort hochhieven, doch zu einer Behandlung kam es nicht. Der dort behandelnde Zahnarzt wollte mich direkt narkotisieren, was aufgrund meines geringen Lungenvolumens nicht einfach mal so gemacht werden kann, wie eine Tafel Schokolade zu essen. Eine andere Behandlungsart bot man mir nicht an.

Was war das Ende vom Lied?

Ich machte mich mit meinem Assistenten um 05:00 Uhr morgens auf, um mich nach vier Jahren Abwesenheit erneut in der offenen Notfallsprechstunde der fernen Universitätsklinik vorzustellen, inklusive der Vor- und Nachteile des letzten Mals. Weiterhin lernte ich auch die Möglichkeit, Sinnhaftigkeit und Einfachheit von Krankenfahrten kennen, die mir seitdem viel organisatorischen Stress erspart haben. Aber dies ist vielleicht eine Geschichte für ein andermal.

Mein Fazit nach der aktuellen Behandlung?

Ich persönlich werde in Zukunft öfter direkt in großen Kliniken vorstellig werden. Dort hatte ich bisher das Gefühl, es bleibt für komplexere Fälle mehr Zeit. Das habe ich oft in kleinen Arztpraxen vermisst.

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Fortsetzung folgt...

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