Perspektivwechsel: Alltagsassistenz – Teil 3 – Zwischenmenschliches im Assistenzberuf

Während bei meinem Job im Krankenhaus das Medizinische im Vordergrund steht, ist es bei der Alltagspflege eher das Zwischenmenschliche.

 
Zwei Menschen halten Hände
Zwei Menschen halten Hände

Zwischenmenschliches im Assistenzberuf

Im Krankenhaus habe ich heutzutage deutlich weniger Zeit pro Patient als früher. Während früher ein Patient drei Wochen auf Station war, ist dieser heute zum Teil am vierten Tag schon wieder Zuhause. Da kann sich dann gar keine richtige Beziehung zu dem Menschen entwickeln. Bei meiner SMA-Patientin bin ich dagegen regelmäßig und besuche sie in ihrem Zuhause. Trotzdem möchte ich die Beziehung nicht als freundschaftlich bezeichnen, da das meiner Meinung nach zu weit gegriffen wäre. Aber es ist durchaus eine enge Beziehung: Man ist per „Du“, führt persönliche Gespräche und setzt sich auch einfach mal hin, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Dann zeige ich ihr zum Beispiel stolz die Fotos meines Enkels. Das ist dann viel ruhiger, entspannter und intimer, als ich es von dem hektischen Klinik-Alltag kenne.

Meine Erfahrungen mit Missverständnissen und Problemen

Ich hatte tatsächlich noch keinerlei Probleme oder Missverständnisse in der Zusammenarbeit mit meiner SMA-Patientin. Aber man bekommt doch schon von anderen mit, dass in diesem Job auch mal bestimmte Hürden auftreten können. Mit anderen Assistenzteams des Trägers tauschen wir uns nämlich in gemeinsamen Besprechungen aus und da kommt bei den anderen öfter mal das ein oder andere zur Sprache.

Bei meiner Klientin ist mir aufgefallen, dass sie einfach wahnsinnig empathisch und freundschaftlich mit allen umgeht. Ich bewundere sie dafür total. Denn ich habe tatsächlich noch nie erlebt, dass sie schlecht drauf war. Wenn dann war sie nur mal müde. Aber für ihre Situation ist ihre Einstellung bewundernswert und eine enorme Bereicherung für mein eigenes Leben. Denn während andere, gesunde Leute jammern wegen Kleinigkeiten oder Wehwehchen, hört man sie trotz ihrer Spinalen Muskelatrophie nie klagen. Wenn es mir mal nicht gut geht und jeder hat mal so einen Tag, an dem einem alles gegen Strich geht, dann denke ich daran.

Und egal, was ist, sie ist immer höflich. Da habe ich leider aber auch schon gemerkt, dass man ihre Gutmütigkeit und Zurückhaltung ausnutzen könnte. Deshalb habe ich ihr oft schon gesagt, dass ich wirklich wahnsinnig gern zu ihr komme, es aber nicht unbedingt als „freundschaftliches“ Verhältnis bezeichnen möchte. Das soll man jetzt nicht falsch verstehen! Wir verstehen uns schließlich wie gesagt sehr gut, aber sie ist und bleibt ja trotzdem meine Chefin. Dementsprechend erinnere ich sie ab und zu: „Wenn du etwas sagst, dann mache ich das auch! Und zwar ohne vorher zu schauen, welche Vorteile ich selbst denn davon haben könnte.“ Dieser Punkt ist mir wichtig, denn wir kommen eben auch, weil es unser Job ist.

Ich bin aber ansonsten noch nie angeeckt mit einer Assistenznehmerin. Assistenten aus anderen Teams, von denen ich im Laufe meiner Tätigkeiten so gehört habe, sind aber auch schon rausgeflogen, da sie rumgeschnüffelt haben. Das geht natürlich gar nicht, denn die Privatsphäre der Personen muss man unbedingt respektieren.

Mein Tipp für Assistenzgeber- und -nehmer

Kommunikation und Beobachten ist das A und O! Denn wenn ein SMA-Patient beim Toilettengang zum Beispiel keine Kraft mehr hat, sich aufrecht zu halten, kann er schnell zur Seite kippen. Man muss also immer genau beobachten, wie viel Kraft die Person gerade noch hat und dann ausführen, was sie sagt. Wenn ich nicht genauestens darauf achte, wie ich die Person in den Rollstuhl setze und dann gehe, dann sitzt sie zwei Stunden auf Falten und kann an dieser ungemütlichen Lage nicht viel ändern. Das muss nicht sein!

Martina, Jahrgang 1967, Assistentin

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Fortsetzung folgt...

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