Jahrgang: 1990 •
SMA TYP II

Wie ich meine Rolle beim Kochen fand – Erfahrungen und Tipps zur kulinarischen Selbstverwirklichung mit SMA

Manche Leute kochen gerne, andere wiederum gar nicht. Seit Jahren gehöre ich zur ersten Gruppe. Mit Spinaler Muskelatrophie fehlt mir jedoch das nötige Handgeschick, um den Kochlöffel zu schwingen. Wie ich dennoch kochen kann? Mit einer weiteren Person!

Foto von einem Kochfeld mit einem Kochtopf, Kochlöffeln und Vorratsgläsern, die mit Gewürzen und Nudeln gefüllt sind.
Foto von einem Kochfeld mit einem Kochtopf, Kochlöffeln und Vorratsgläsern, die mit Gewürzen und Nudeln gefüllt sind.

Als kleiner Stöpsel war ich ein sehr wählerischer Esser. Alleine mit Fischstäbchen und Kartoffelbrei konnte man mich auf alle Fälle aus der Reserve locken.

Im Alter veränderte sich das dann. Ich lernte immer mehr Speisen und Geschmacksrichtungen kennen. Einige entwickelten sich im Laufe meiner bisher drei Dekaden zu wahren Evergreens, darunter die erwähnten Fischstäbchen mit Kartoffelbrei.

Mein Geschmackssinn zog mich aber in immer weitere Fernen. Asiatisch, Amerikanisch, Afrikanisch, mein Gaumen wollte immer mehr entdecken. Wenn ich schon nicht einfach mal eben in Gänze neue Orte entdecken konnte, wollte ich mir diese entfernten Gegenden kulinarisch zu mir nach Hause holen.

Ich begann, in den großen Weiten des Internets nach Rezepten zu suchen. Wollte diese auch kochen. Meine ersten Anlaufstellen waren dabei meine Oma und Mutter. Mit meinen Rezepten kam ich zu ihnen und mit teilweise doch exotischen Zutaten versuchten wir, diese nachzukochen.

Zum großen Teil war meine Rolle aber passiver Natur. Ich las vor und meine Mutter oder meine Oma machten, gaben aber mehr als häufig zu verstehen, dass manche Anleitungen einfach nur schlecht waren – schließlich hatten sie tagtägliche Erfahrungen mit dem Kochen aus der Praxis.

Gerade mit meiner Oma gab es auch Sprachbarrieren beim Zubereiten. Das Ergebnis war selten zufriedenstellend und auf Dauer auch für alle Beteiligten mehr Stress als Freude oder Entspannung, zumal nur ich von Exotik angetan war.

Das Projekt Kochen war dann jahrelang auf Eis gelegt, aber nie ganz aus meinem Kopf verschwunden. Ebenfalls lernte ich, meine eigene Rolle beim Kochen zu verstehen, denn ich verschlang geradezu Informationen rund ums Kochen.

Anstatt bis ins kleinste Detail herunterzudelegieren, wie was gemacht werden muss, verstand ich mich allmählich darin, als kleine Enzyklopädie, beim Kochenden auf der Schulter sitzend, zu agieren, bei Zeit- und Mengenangaben sowie beim Abschmecken zu helfen.

Als ich dann begann, mit persönlicher Assistenz in meiner eigenen Wohnung zu leben, war es dann soweit:

Ich fing mit meinen neuen Erkenntnissen an, wieder zu kochen, tatsächlich alles, was so in meine Reichweite kam.

Gerade in den Anfangszeiten meinten die meisten meiner Assistenten, sie würden es hassen, mit mir zu kochen, weil ich im Gegensatz zum normalen Alltag, ein totaler Chaot mit meinen Anweisungen in der Küche sei.

Diesmal gab ich aber nicht auf. Ich wollte mich nicht nur von Fertiggerichten und Gaben meiner Familie ernähren. Ich wollte im entfernten Sinne für mich selbst sorgen können. Und dazu gehörte für mich auch die Ernährung.

Ich schraubte meine Ansprüche herunter, vor allem aber die Ansprüche an meine Assistenten. Anstatt mich mit Rezepten zu beschäftigen, die mir optisch oder in der gustatorischen Vorstellung gefielen, konzentrierte ich mich auf einfachere Gerichte, um die Prozesse in meinem Aufgabenbereich beim Kochen auf die Reihe zu bekommen.

Tatsächlich stellte ich fest, dass ich bei einfacherem Aufwand mit meinen Aufgaben beim Kochen immer sicherer wurde. Mittlerweile wage ich mich auch an aufwändigere Rezepte heran. Ebenso adaptiere ich mich an die praktischen Kochfähigkeiten meines diensthabenden Assistenten. So kann ich mit etwas Planung mittlerweile doch ziemlich alles kochen, worauf ich Lust habe.

Am liebsten koche ich aber mit meinem Partner. Da geht es nicht nur um die möglichst gesunde und/oder leckere Nahrungsversorgung, es ist ein richtiges Event. Meist suchen wir sogar die Ingredienzien zusammen aus, necken uns beim Kochen und genießen anschließend unser kreiertes Mahl. Er bringt beim Kochen durch seine Spontanität die Würze ins Gericht, während ich mit Planung und Wissen für einen runden Geschmack am Ende sorge.

Jahrgang: 1990 •
SMA TYP II

Hinweis: Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung. Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAlltalk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen. 

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