Redaktionsteam - Amelie
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JAHRGANG 1998 •
SMA TYP III

Ich lebe meinen Traum – Architekturstudium abgeschlossen

Es ist geschafft! Ich habe mein Masterstudium in Architektur und Stadtplanung sehr erfolgreich abgeschlossen.

Foto der Autorin Amelie, die in ihrem Rollstuhl sitzt und ihre Masterarbeit mit dem Titel Dinable in den Händen hält. Dabei trägt Sie einen Zopf, eine schwarze Hose, einen grauen Strickpullover und eine Brille mit dünnem goldenen Rand.
Foto der Autorin Amelie, die in ihrem Rollstuhl sitzt und ihre Masterarbeit mit dem Titel Dinable in den Händen hält. Dabei trägt Sie einen Zopf, eine schwarze Hose, einen grauen Strickpullover und eine Brille mit dünnem goldenen Rand.

Als Architektin zu arbeiten, ist mein Traum, seit dem ich 12 Jahre alt bin. Meine größte Motivation war damals, dass ich mit meinem Tun einen Beitrag für mehr Barrierefreiheit leisten wollte. Und diesen Wunsch habe ich mir Schritt für Schritt erfüllt und könnte daher gerade nicht stolzer und glücklicher sein…

In meiner Masterarbeit habe ich all meine Herzensthemen vereinen können. Denn ich wollte eine Prototyp-App programmieren, die Architekt*innen das Planen von barrierefreien Wohnungen vereinfachen soll.

Als ich mit der Idee zu den Professor*innen gegangen bin, um sie für die Betreuung der Arbeit zu gewinnen, wurde ich von manchen schräg angeschaut, weil es einfach kein „klassisches“ Thema für eine Masterarbeit als Architekturstudierende ist. Sind wir mal ehrlich… der klassische Weg hätte aber auch nicht zu mir gepasst ;)

Ich habe also die erste Hürde genommen und dafür gekämpft, dass mein Herzensprojekt überhaupt Gehör findet und ernst genommen wird.

Schließlich konnte ich meine Wunschprofessor*innen dafür gewinnen, die App zu betreuen.

Sie hatten berechtigte Zweifel am Erfolg des Vorhabens, denn ich hatte noch nie zuvor irgendetwas programmiert, oder gar eine Programmiersprache gelernt. Aber irgendwann muss man ja den ersten Schritt machen, um weiterzukommen. Und deshalb habe ich mich innerhalb kürzester Zeit im Selbststudium in die Webentwicklung eingearbeitet und gleich zwei verschiedene Programmiersprachen innerhalb eines halben Jahres gelernt. Ich bin heute noch fasziniert davon, welche Energie ich entwickeln kann, wenn ich für eine Idee brenne.

Es gab viele Momente, in denen ich am liebsten aufgegeben hätte, und ich weiß auch, dass es einen vermeintlich leichteren Weg gegeben hätte, um mein Studium abzuschließen.

Aber es wäre eben nicht mein Weg gewesen. Und so habe ich mich auch durch die frustrierendsten Momente gebissen und am Ende haben sich der Mut und das Durchhaltevermögen ausgezahlt. Ich habe so viel über mich und das Programmieren lernen dürfen. Und die App hat sogar einen IT-Preis gewonnen. Ich freue mich sehr darüber, weil es mir zeigt, dass die Träume, die wir haben, immer Recht haben. Wenn wir ihnen folgen, ihnen unsere Aufmerksamkeit schenken und an sie glauben – auch und gerade, wenn es sonst keiner tut – kann etwas Wundervolles entstehen. Und ich denke, gerade am Anfang sieht dieser Weg, den wir damit einschlagen, nicht nach dem einfachen Weg aus. Und es hat sich definitiv bei mir auch nicht so angefühlt. Aber es wurde mit jedem Schrittchen, das ich weitergegangen bin, immer leichter.

Und heute kann ich bewusst zum ersten Mal sagen, dass ich stolz auf mich bin, dass ich durchgehalten und für meine Träume gekämpft habe. Und allein dafür hat es sich gelohnt.

Und was hat das mit SMA zu tun?

Ich denke, dass meine SMA mich genau zu diesem Menschen geformt hat, der all diese Träume hat und dafür kämpft und nicht aufgibt, bevor eine Lösung gefunden wurde. Durch meinen Rolli-Porsche bin ich jeden Tag damit konfrontiert, neue Wege zu finden, und das aus verschiedensten Gründen. Zum einen – und hier schließt sich der Kreis- auf Grund von fehlender Barrierefreiheit. Das begründet meine große Motivation, die App zu programmieren, weil ich den Bedarf jeden Tag spüre.

Und zum anderen bin ich mit unangemessenem Verhalten von Menschen und Vorurteilen gegenüber meiner Behinderung konfrontiert, für die ich ebenfalls einen eigenen Umgang finden durfte. Im Studium habe ich das deutlich gespürt. Unzählige Male blickte ich in überraschte, fast ungläubige Gesichter, wenn ich erzählt habe, dass ich Architektur studiere. Regelmäßig kam auch die Frage, wie ich denn auf die Baustelle gehen möchte. Die Möglichkeit, dass man das als Architektin gar nicht unbedingt muss, wird dabei außer Acht gelassen.

Und nicht zuletzt natürlich die Tatsache, dass ich häufig die erste Rollifahrerin bin, die an einen Ort kommt. So war es auch an der Universität, an der ich studiert habe.

Es war nicht alles vorbereitet für mich und schon gar nicht selbstständig nutzbar, als ich mit dem Studium angefangen habe. Auch hier durfte ich etwas bewegen, damit es der nächste Mensch mit Behinderung vielleicht etwas leichter hat.

Und ja, manchmal ist das anstrengend, gefühlt immer mehr für etwas kämpfen zu müssen, nur weil man im Rollstuhl unterwegs ist. Doch eigentlich ist es doch auch eine gute Chance, um sich nachhaltig einzubringen und die Themen Inklusion und Barrierefreiheit voranzutreiben und mitzugestalten.

Wie geht es weiter?

Aktuell stehe ich an der Schwelle, um ins Berufsleben zu starten. Die Bewerbungen sind vorbereitet und warten darauf, abgeschickt und eingereicht zu werden. Neben den ganzen Gedanken darüber, was ich mir vom Berufsleben verspreche und was ich lernen möchte, kreist auch die Frage über mir: Was brauche ich dafür an Assistenz, Unterstützung und für meine persönliche Weiterentwicklung?

Aber darum wird es in den nächsten Beiträgen gehen.

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