JAHRGANG 1982 •
SMA TYP II

Ich backe mir meinen Traumpartner – Teil 2 – Auf der Suche nach ihrem „Märchenprinzen”

Hier möchte ich von meinen persönlichen Erfahrungen und Herausforderungen mit der Partnersuche und Partnerschaft mit SMA erzählen.

 
Eine Gartenfigur sitzt auf einer Mauer. Der grüne Frosch stellt eine Märchenfigur dar und trägt eine Krone.
Eine Gartenfigur sitzt auf einer Mauer. Der grüne Frosch stellt eine Märchenfigur dar und trägt eine Krone.

Das Kennenlernen

Ich habe das Gefühl, es gibt Partnerbörsen im Internet, auf denen es leichter ist und Partnerbörsen, auf denen es wiederum schwieriger ist, als behinderter Mensch einen passenden Partner zu finden. Und es kommt natürlich auch auf die eigene Ausstrahlung an. Ich meine, ich selbst bin ein sehr, sehr offener Mensch. Und auch ein sehr „frecher Mensch“ ;-) Also wenn ich in der Disco bin und mir jemand gefällt, dann fahre ich den halt ganz „unabsichtlich“ mit meinem Rollstuhl an. Und durch meine direkte Art fällt mir das Flirten auch einfach leichter.

Ich lerne meine Dates also entweder in der virtuellen Welt oder auch beim Ausgehen kennen – wobei das Virtuelle einfacher ist, weil man dann am Anfang die Behinderung noch „verschweigen“ kann. Das heißt also, man hat die Chance, zunächst einmal nur auf die Persönlichkeit einzugehen. Sodass man danach dann erst sagt: Ach übrigens, ich sitze im Rollstuhl. Ich mache das Thema also auf meinem Online-Profil nicht direkt offensichtlich. Wobei man auch dazu sagen muss: Männer, die wissen, wie ein Rollstuhl aussieht und sich auskennen mit der Thematik, die erkennen das auch schon anhand meiner Bilder. Also man sieht dann zum Beispiel Teile der Kopfstütze im Hintergrund oder sowas.

Aber natürlich kommt das dann auch mal vor, dass dann plötzlich kein Interesse mehr besteht, sobald die Katze aus dem Sack ist. Da muss dann einfach die Frustrationsschwelle höher sein. Das ist einfach so. Aber ich denke, es geht anderen Frauen, die keine Behinderung haben, bestimmt auch so.

Männer mit Behinderung

Ich habe so das Gefühl und auch die Erfahrung gemacht, dass es für Frauen leichter ist, einen Partner zu finden als für Männer. Wahrscheinlich weil das ganze Thema Dating sehr auf Klischees basiert: Frauen wollen einen starken Mann an ihrer Seite haben und ein Mann mit einer körperlichen Behinderung erfüllt dann diese Attribute scheinbar nicht. Deswegen müssen sich – meiner Erfahrung nach – Männer, die mit SMA oder einer anderen Behinderung leben, viel mehr anstrengen, einen Partner zu finden.

Die Partnerschaft

Ich selbst habe bei dem Thema „Partnerschaft und SMA“ schon die komplette Bandbreite erlebt. Darunter waren eben leider auch Männer, die meine hilflose Situation schamlos ausgenutzt haben. Es waren auch Männer dabei, die mich nur aufgrund meiner Behinderung geliebt haben. Dann gab es auf der einen Seite Männer, die mit meiner Behinderung überhaupt nicht zurechtkamen – sowie auf der anderen Seite Männer, die gesagt haben: Ach, ich habe auch meine Mutter gepflegt und deswegen ist das jetzt auch kein Problem.

Assistenz und Partnerschaft

Es ist sehr schwierig, Assistenz und Partnerschaft unter einen Hut zu bringen. Einerseits möchte man ja mit seinem Partner alleine sein. Andererseits braucht man ja Hilfe von der Assistenz. Da einen Zwischenweg zu finden – das ist manchmal schwierig. Beispielsweise wenn man seinen Partner nicht in die Pflege involvieren möchte, dann wird das zu einem regelrechten Balance-Akt. Dann muss man schauen: Inwiefern nehme ich die Assistenz meines Partners in Anspruch und wo sind da meine Grenzen? Für mich persönlich gibt es da kein Patentrezept, denn es kommt immer darauf an, wie derjenige damit umgeht. Und es kommt natürlich darauf an, was man seinem Partner zutraut und was nicht.

Ich hatte auch schon Partner, die gleichzeitig meine Assistenten geworden sind und welche, die es auch vorher schon waren und dann zu meinem Partner geworden sind. Aber in solchen Fällen ist es natürlich nach einer Trennung umso schwieriger.

Mein Traummann

Was mir besonders wichtig ist, ist, dass man sich gegenseitig respektiert. Und auch dass man sich gegenseitig unterstützt. Die Person mit Behinderung sollte also nicht immer nur nehmen und fordern. Sie sollte auch im gleichen Maße zurückgeben. Es ist aber mindestens genauso wichtig, dass der Partner das dann auch annehmen kann.

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Fortsetzung folgt...

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