Assistenz/Pflege

Organisation der Assistenz

Jasmin hat 24 Stunden Assistenz pro Tag an 365 Tagen im Jahr – hier spricht sie über ihre Erfahrungen.

Video-Transkript

Für welches Assistenzmodell hast Du Dich entschieden und warum?

„Ich habe inzwischen das Arbeitgebermodell mithilfe eines Budget-Assistenz-Dienstes. Das heißt, das ist kein Assistenzdienst in dem Sinne, dass die alles für einen übernehmen, sondern sie helfen Menschen mit Behinderung, das persönliche Budget zu verwalten, aber mit allen Rechten und Pflichten, die man auch als Arbeitgeber hat. Das bedeutet auch, dass man seine Assistenz ins Krankenhaus mitnehmen kann – was mir sehr wichtig ist und was glaube ich auch sehr wichtig ist für viele SMA-Patienten, weil sie sich einfach im Krankenhaus nicht gut genug gepflegt fühlen ohne Assistenz. Dann kann man natürlich den Dienstplan frei einteilen und hat eben alle Freiheiten, die man benötigt und man kann ein relativ gutes Gehalt an seine Assistenten weitergeben, was meistens nicht so ist, wenn man bei einem Pflegedienst oder bei einem Assistenzdienst ist.

Ich war davor bei einem Pflegedienst und hatte dann eben die Probleme, dass ich die Assistenz nicht mit ins Krankenhaus nehmen konnte und dass ich mir die Leute auch selber nicht so aussuchen konnte, wie ich sie mir jetzt aussuchen kann. Weil der Pflegedienst eben schon Assistenten eingestellt hatte und dann eben gesagt hatte, entweder du nimmst die jetzt oder halt eben nicht. Mithilfe des Budget-Assistenz-Diensts hatte ich halt acht Vorstellungsgespräche und habe mir da dann zwei Assistenten aussuchen können, die perfekt zu mir gepasst haben.“

Wie ist der Umgang mit den Assistenten?

„Es ist sehr wichtig, wie man sein Team aufbaut. Sodass man mit den Menschen gut auskommt, die man bei sich arbeiten lässt.

Ich versuche, eher so ein familiäres, freundschaftliches Verhältnis zu meinen Assistenten aufzubauen. Einfach mit der Basis, dass man dankbar ist für das, was sie tun und auch bitte und danke sagt. Das fällt mir oft auf, dass meine Assistenten schon in anderen Teams gearbeitet haben und gesagt haben: Wir sind das gar nicht gewöhnt, es ist so schön, bei dir zu arbeiten, weil du einfach die Höflichkeitsregeln kennst und auch mal sagst, könntest du mir bitte das und das holen oder danke, dass du das so schön gemacht hast. Man muss einfach die Umgangsformen auch wahren, um ein harmonisches Miteinander zu gestalten.

Es ist auch sehr von Vorteil, einen Putzplan zu machen. Denn es gibt eben fleißige Assistenten und nicht so fleißige Assistenten. Da gibt es dann öfter man Ungleichgewicht im Team und auch Diskussionsbedarf im Team, wenn manche Menschen nicht ihren Aufgaben nachgekommen sind.“

Wie setzt sich Dein Team zusammen?

„Ich habe neun Personen in meinem Team. Davon sind zwei Studenten. Einen der Studenten habe ich von meinem Pflegedienst übernommen. Dann habe ich noch jemand anderes von meinem Pflegedienst übernommen. Und den Rest habe ich mir dann so zusammengesucht. Von meinem Pflegedienst aus wurden sie zu mir geschickt und haben bei mir gearbeitet. Und ich habe sie jetzt eben anderweitig bei mir eingestellt. Also nicht übernommen, sondern eben als Teilzeit oder besser gesagt als 450-Euro-Kraft.“

Wie gestaltet sich die Assistenzsuche?

„Früher habe ich das über Facebook und die sozialen Netzwerke gemacht. Da gibt es auch so eine Seite für Assistenzsuche speziell. Aber da sind eben hauptsächlich Assistenznehmer drin, die 24-Stunden- oder 48-Stunden-Schichten suchen. Und das kann und möchte ich eben nicht anbieten. Von daher lasse ich meinen Budget-Assistenz-Dienst einfach über die ganz normalen Jobbörse-Plattformen suchen für mich. Das wird dann unter dem Begriff „Alltagshelfer“ gepostet und dann melden sich halt viele verschiedene Leute.“

Mein Fazit…

„Das Arbeitgebermodell birgt zwar die maximale Freiheit, aber eben auch die maximale Verantwortung. Wer sich bewusst ist, dass er die maximale Verantwortung nicht übernehmen möchte, muss sich dessen bewusst sein, dass er nicht die maximale Freiheit haben kann und eben auf einen Assistenzdienst beziehungsweise auf einen Pflegedienst zurückgreifen muss.“

                                                                                                     

Jasmin, 37 Jahre, SMA Typ II

Hinweis:  Erkennbare Markennamen sind willkürlich gewählt und dienen ausdrücklich nicht der Produktplatzierung.  Biogen nimmt keinerlei Einfluss auf Umsatzgeschäfte der auf SMAll talk sporadisch erkennbaren Markenhersteller und es bestehen diesbezüglich keinerlei Erwartungen. 

Text: Biogen-86282; Video: Biogen-86283

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