Psyche

Herausforderung „Lockdown-Blues“ – Teil 1

Was tun gegen den Lockdown-Blues?

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„Für viele von uns hat die Welt spätestens seit März letzten Jahres ein anderes Gesicht. Ein Virus bedroht Leib und Leben, andere Menschen müssen auf Abstand gehalten werden. Ich kenne plötzlich neue Vokabeln wie PCR-Test oder Vakzine und habe Kenntnis davon, dass es einen Ort namens Wuhan gibt. Restaurants, Theater und Friseure sind in der Zwischenzeit seit Wochen ebenso wieder geschlossen, wie viele andere Branchen. Mit einer kleinen Unterbrechung von zwei Wochen im Hochsommer, in denen ich im Büro war, bin ich seit Mitte März 2020 im Homeoffice. Und nicht nur das. Seither habe ich nichts Kulturelles mehr unternommen, war nicht essen und habe mich nicht mehr ohne Abstand, Maske und viel frischer Luft mit Freunden und Familie getroffen.

Hier könnte der Verdacht nahe liegen, dass ein Stimmungstief oder gar eine Depression in greifbarer Nähe sind. Weder das eine noch das andere ist jedoch der Fall. Warum ist das so? Zum einen habe ich eine durchaus robuste Psyche, verfüge über ein hohes Maß an Resilienz und bin von Geburt an optimistisch. Zum anderen weiß ich genau, was mir guttut und ich bin lösungsorientiert. Da ich aber weiß, dass manch anderer mit den aktuell geltenden Einschränkungen nicht gut zurechtkommt, möchte ich hier einfach einmal aufzählen, was meiner Meinung nach dazu beiträgt, sich trotz allem rundum wohl zu fühlen.

Ergreife die Initiative, sei informiert, habe Kontrolle über die Situation

Die Furcht davor, sich mit dem Virus zu infizieren belastet uns alle. Besonders bei uns SMA-Patienten ist die Angst davor, im Falle einer Erkrankung einen schweren Verlauf zu erleiden, nicht unbegründet. Also heißt es: Abstand halten, Kontakte einschränken und ausschließlich eine FFP2-Maske tragen. Das sind allerdings alles Vorsichtsmaßnahmen, die für viele von uns mit SMA nicht oder nur eingeschränkt zu realisieren sind. Denn wer auf Assistenten und / oder einen Pflegedienst angewiesen ist, weiß, dass hier Personal wechselt und viele der Beschäftigten zudem noch in weiteren Pflegeberufen tätig sind. Diese Personen haben also häufig viele und sehr nahe Kontakte zu anderen Menschen. Somit steigt deren und auch unser Risiko, krank zu werden.

Was also tun? Mein Rat: so viele Vorsichtsmaßnahmen treffen, wie eben möglich – dabei jedoch nicht „panik-blind“ werden. Den ganzen Tag über alles penibel zu desinfizieren und alle Kontakte gänzlich einzudampfen, schürt eher die Sorgen und macht letztendlich einsam.

Ich fühle mich wohl, wenn ich Herrin der Lage bin. Daher habe ich mich schon zu Beginn der Pandemie über die jeweils aktuelle Situation informiert, alle meine pflegenden Personen privat mit FFP2-Masken ausgestattet und auch selber welche getragen. Jeder soll mindestens 30 Sekunden lang die Hände waschen, sobald er meine Wohnung betritt. Zudem müssen die nun gängigen „AHA-L-Regeln“ befolgt werden: Abstand, Hygieneregeln, Alltagsmaske, Lüften. Darüber hinaus bin ich froh, einen guten Luftfilter (H13-Hepa) zu haben. Diesen lasse ich immer dann in die halbgeöffnete Badezimmertür stellen, wenn ich mich während der Pflege mit jemandem in diesem kleinen Raum aufhalte.

Durch diese Maßnahmen tue ich alles, was mir möglich ist. Das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, ist damit natürlich nicht vom Tisch, aber eben eingegrenzt. Dadurch habe ich letztendlich nicht das Gefühl, der Situation vollkommen ausgeliefert zu sein.

Schau auch Du, welche Maßnahmen Dir das Gefühl geben, ein Stück weit die Kontrolle über Deine Gesundheit zu haben. Gar nicht mal so selten wurde ich zu Beginn für meine Vorsicht kritisiert und belächelt. Vollkommen egal, denn ich habe genug Selbstbewusstsein durchzusetzen, wovon ich überzeugt bin.

 

Tu etwas!

Beschäftigung zu haben, ist ganz wichtig. Nichts ist schlimmer, als Löcher in die Luft zu starren, sich zu langweilen und auf die nächste Mahlzeit zu warten. Wer nichts zu tun hat, fängt schlimmstenfalls an, zu grübeln.

Überlege Dir also, woran Du Spaß hast oder was Du schon immer einmal tun wolltest. Hierbei sollte man natürlich realistisch bleiben und nicht gerade aktuell eine große Party im Restaurant planen. Aber auch jetzt gibt es sicher viele Möglichkeiten, mal wieder etwas zu planen, was Dir so richtig Spaß macht.

Denn die gute Nachricht ist doch: Noch nie war die Welt so barrierefrei wie aktuell, da viele Branchen ihre Angebote kurzerhand ins Netz verlegt haben. Die Fülle der virtuellen Museumsrundgänge ist enorm, die Möglichkeiten eine neue Sprache zu lernen sind quasi unendlich und viele Messen, Shows und Konzerte kann man vom heimischen PC aus ganz bequem per Mausklick besuchen. Besser geht es doch gar nicht! Besonders großartig ist es, dass sehr viele Angebote vollkommen kostenfrei sind.

Ebenso verhält es sich mit Fort- und Weiterbildungen. Beruflich habe ich mich im letzten Jahr erheblich fortgebildet und die nächsten fünf Seminare sind bereits gebucht. Ich freue mich drauf! Auch hier ist es so, dass die meisten kein Geld kosten und dennoch hohe Qualität bieten. Das freut dann auch den Arbeitgeber.

 

Verschaffe Dir Erfolgserlebnisse

Was macht Spaß? Was macht stolz? – Erfolg zu haben! Und das ist gar nicht so schwer. Ich zum Beispiel liebe Projekte! Ich denke mir überschaubare Aufgaben aus und habe dann sehr viel Spaß daran, meine Ideen in die Tat umzusetzen oder ein Ziel zu erreichen. Kürzlich habe ich zum Beispiel ein Video gedreht, in dem ich alle Zuschauer dazu aufgefordert habe, meinem Lebensgefährten zum Geburtstag nette Grüße in ein extra dafür eingerichtetes Postfach zu senden. Wie geplant, ging das Video einmal um die Welt und Glückwünsche kamen aus aller Herren Länder. Das war ein toller Erfolg und hat mich und ihn glücklich gemacht.

Ein weiteres nettes Projekt war es, zu unserem Geburtstag (wir wurden am selben Tag geboren) unserer gesamten Verwandtschaft, die weiter weg wohnt und daher nicht bei uns sein konnte, ein Überraschungspaket zu senden. Wir hatten sehr viel Spaß bei der Vorbereitung und Umsetzung und haben letztendlich 16 Pakete mit Kuchen, Sekt, Wunderkerzen, Spaghetti und vielem mehr auf die Reise geschickt, damit unsere Gäste gemeinsam mit uns – zumindest aus der Ferne – feiern konnten. Die Rückmeldungen waren nahezu euphorisch und auch dies hat uns glücklich und stolz gemacht.

Was ich sagen will: Sei kreativ, überlege Dir eine Aufgabe und tu Dein Bestes, um sie umzusetzen. Vor allem aber: Freue Dich anschließend über das Ergebnis und sei stolz auf Dich!

Weitere Tipps rund ums Thema gebe ich im nächsten Bericht! ;-)

Camilla, 50 Jahre alt, SMA Typ II

zu Teil 2

Was bringt Dich zum Lachen?

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